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Wissenschaftliche Ergebnisse meiner ethnographischen Forschungsreise in den Südosten Deutsch-Ostafrikas ; mit 63 Bildertafeln, 1 Karte und einer Beilabge in Faarbendruck / von Karl Weule
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Waffen.

In bezug auf die Waffen gehört der Süden von Deutsch-Ostafrika heute zu den Gebieten, wo dieser Gegenstand bereits anfängt, vom historischen Standpunkt aus betrachtet werden zu müssen; es ist interessanter zu sehen, was einstens gewesen ist, als was heute dem Forscher vor Augen tritt. Zwar ist die Mannigfaltigkeit der Kriegs- und Jagd­waffen des Mjao auch heute noch nicht gering, aber unstreitig nimmt unter allem Gewaffen das importierte Vorderladergewehr eine überwiegende Stellung ein; alles andere fängt an, mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt zu werden, und noch vor Ablauf vielleicht eines Jahrhunderts werden Bogen und Pfeil, Wurfspeer und Keule ebenso zu Überlebseln geworden sein, wie es bei uns der Flitzbogen und die Armbrust sind. Der ursprüngliche Waffenbesitz der Jao wird nicht anders gewesen sein als der aller anderen Ostbantu überhaupt; er wird also aus Bogen und Pfeil, dem Wurfspeer und vielleicht einer be­stimmten Keulenform bestanden haben. In unsern Gesichtskreis ist das Volk getreten mit einem Waffen­besitz, der, wenigstens soweit die Angriffswaffen in Frage kommen, ziemlich genau demjenigen der Sulu- kaffern entsprach. Nicht mehr der alte Wurfspeer war die Hauptwaffe, sondern der kurze, feste Stoß­speer; Bogen und Pfeil aber waren anscheinend fast ganz verschwunden. Es läßt sich nicht leugnen, daß gerade dieser Waffenbesitz, zumal in Verbindung mit einer Taktik, die ebenfalls der der Sulu einiger­maßen verwandt war, der Hauptanlaß gewesen sind, die Jao direkt für Sulu selbst zu erklären. Erst heute, wo kein ernsthafter Forscher dieser Lehre mehr huldigt, finden wir, daß es mit der Suluähnlich- keit auch in bezug auf Waffenbesitz und Taktik nicht übermäßig weit her ist; in jeder Hütte steht noch heute der übliche Stoßspeer neben dem Vorderlader; sucht man aber genauer nach, so wird man auch fast stets noch den alten Bogen und das zu ihm gehörige Geschoß des Pfeiles, so manche Keule und auch den alten, langen, schlanken Wurfspeer vorfinden. Als das einzige Neue stellt sich also der Stoßspeer heraus, der zwar eine Folge der Berührung der Jao mit den Wangoni ist, ihre Zugehörigkeit zu diesem Volksstamm aber keineswegs beweist. Bei den Wa- hehe liegt die Sache ganz ähnlich und doch auch wieder etwas anders; auch sie haben von den Wangoni vor allem den Stoßspeer übernommen; auch ist dieser gerade bei ihnen zur wirksamsten und best konstruierten Angriffswaffe Ostafrikas überhaupt geworden; aber neben dem Speer haben sie dann auch noch den typischen ovalen Fellschild der Sulu- völker angenommen. Dieser Schild hat noch heute

den alten, südostafrikanischen Bau und ebenso die alte Höhe; nur in der Breite ist er etwas schmäler geworden. Bei den Jao ist nach übereinstimmenden Aussagen aller meiner zahlreichen Gewährsmänner der Schild nie und in keiner Form üblich gewesen, jedenfalls nicht während des Bewußtseins der jetzt lebenden Generation. Das besagt zunächst, daß die Jao stets in erster Linie Bogenschützen gewesen sind, für die ein Schild als Schutzwaffe sich nicht eignet; sodann aber spricht auch dieses Moment dafür, daß die Jao mit den Sulu in Südostafrika in keinerlei genetischer Beziehung stehen.

Die Art des Bogenspannens, der Befestigung der Sehne am Bogen, die Herstellungsart der Pfeile und ähnliche Fragen sind Gegenstand der Spezial­behandlung; sie mögen deswegen diesem Bericht, der nur eine Übersicht über die hauptsächlichsten meiner Ergebnisse bringen soll, fernbleiben. Als allgemein gültige Art der Bogenhaltung fand ich die senkrechte; ziemlich allgemein war dann auch die Auflage des Pfeiles auf die Hand links vom Bogen. Entweder lag er frei auf der Mittelhand, oder aber er" lief zwischen Zeige- und Mittelfinger hindurch. (Taf. 37 Abb. 1). Ganz regellos war wieder die Spannweise; der eine spannte hier mit Zeige- und Mittelfinger, der andere mit Mittel- und Ringfinger, der dritte mit allen drei Mittelfingern (Taf. 37 Abb. 1, 2); nur die europäische Spannung mit Daumen und Zeigefinger kam hier nicht vor, ebensowenig die mon­golische. Spannvorrichtungen für den Bogen sind mir nicht aufgefallen; auch keine Schutzapparate gegen den Schlag der Bogensehne.

Beide Arten von Waffen gehören ihrer Her­stellung nach noch dem Gebiet der geschlossenen Hauswirtschaft an; jedermann scheint sein eigener Waffenschmied zu sein, d. h. Bogen und Pfeil für den eigenen Bedarf allein herzustellen. Ganz selbst­verständlich ist diese Tatsache nicht; nicht einmal die Töpferei, die sonst am längsten eine ganz all­gemein verbreitete Frauentechnik ist, scheint von allen Angehörigen des weiblichen Geschlechtes verstanden oder wenigstens gleich gut verstanden zu werden. Am besten merkt das der Forscher, wenn er sich an­schickt, die betreffenden Techniken in ihren Einzel­zügen zu studieren; ich durfte es durchaus nicht wagen, in das erste beste Gehöft zu gehen in der Erwartung, dort nun die Frauen für meine Zwecke heranziehen zu können, sondern stets hieß es, wo ich auch immer danach fragte:Ja Herr, die Frau des Soundso wird dir die Sache zeigen, die kann das." Es wäre also durchaus nicht unmöglich, daß auch die Bogen- und Pfeilherstellung schon zu einem