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zentriert sich denn das ganze Schmuckbedürfnis der Jao auf die Beschneid ung. Ohne Zweifel ist die durch diese Operation symbolisierte Herübernahme des Knaben aus dem Kindes- in das Mannesalter das bedeutsamste Ereignis im Leben des hiesigen Schwarzen überhaupt. Ein chirurgischer Eingriff findet nur bei den Knaben statt; gleichwohl führen auch die mannigfaltigen und langdauernden Feste, d.'e die Herübernahme des Mädchens in die Reihe der mannbaren Frauen und späterhin auch die Einzelerscheinungen des Frauenlebens als Gattin und Mutter begleiten, in ihrer Gesamtheit denselben Namen wie das Beschneidungsfest für die Knaben. Mit dem Ausdruck „Unyago" bezeichnet man in der Tat den Gesamtkomplex aller dieser Festlichkeiten und Zeremonien, ganz gleich, ob sie für die Knaben oder für die Mädchen gelten. Das Beschneidungsfest für die Knaben insbesondere führt daneben im Kijao den Namen „Lupanda".
Über diese Mannbarkeitsfeste ist merkwürdigerweise noch sehr wenig berichtet worden; die Missionare, die sehr wohl zu genauen Aufzeichnungen in der Lage sind, gehen in ihren Berichten über alle heiklen Punkte mit einer glatten Redewendung hinweg; die anderen Forscher in unserem Gebiet aber scheinen über ihren mannigfachen anderen Obliegenheiten am Studium gerade dieser Seite des dortigen Völkerlebens gehindert worden zu sein. Ich selbst kam leider auch etwas zu spät ins Land, um noch an den Eingangsfestlichkeiten teilnehmen zu können; dahingegen hat mich das Vertrauen, das mein Begleiter Knudsen bei allen Großen genoß, so
dann aber auch die treffliche Fürsorge des Kaiserlichen Bezirksamts, in den Stand gesetzt, mich wenigstens an einer Reihe späterer, ebenfalls in den Turnus des Unyago hineingehörender Festlichkeiten zu beteiligen.
Die Pubertätsfeiern für beide Geschlechter fallen in die Zeit nach der Ernte; sie beginnen in den ersten Monaten der Trockenzeit und ziehen sich bis in den August, ja bis in den September hinein. Die Feier wiederholt sich nicht in jedem Bezirk alljährlich, sondern wechselt je nach dem Ausfall der Ernte oder der. Machtstellung eines bestimmten Dorfhäuptlings innerhalb der einzelnen Siedlungen eines Distrikts. Auch im Alter sind die Kinder nicht ganz gleich; die Kandidaten und Kandidatinnen schwanken vielmehr zwischen dem 8. und dem 11. Lebensjahr. Bei den Mädchen mag die obere Grenze etwas früher liegen ; genau bestimmen ließ sich das nicht, da ich keins von ihnen je ohne die den ganzen Körper dicht verhüllende Festgewandung gesehen habe. Zudem erschienen die Festjungfrauen stets auch in gebückter Haltung, die jede Altersschätzung ohne weiteres ausschloß. Nach den eigenen Beobachtungen und auch nach den Aussagen meiner Gewährsleute bestehen ganz einheitliche Regeln für die Feier des Unyago keineswegs; die Zeremonien schwanken nach Dauer und Art ihrer Durchführung vielmehr von Bezirk zu Bezirk, je nach der Überlieferung und sicherlich auch nach den Neigungen und Fähigkeiten der Organisatoren. Gerade dem Neger mit seiner regen Phantasie sind ja Neuerungen auf dem Gebiet seines Festkalenders etwas sehr Naheliegendes.
Das Knaben-Unyago.
Das Lupanda, also die Knabenbeschneidung, beginnt bei den Jao zur Zeit des letzten Mondviertels mit dem Bau einer Reihe kleiner Strohhütten, die kreisförmig den vorher bestimmten und gesäuberten Festplatz umschließen. Diese Hütten heißen Masakassa (Singular Lisakassa) (Taf. 40 Abb. 3). Auf dem Platz, der sich beim Dorf im Pori befindet, wird von alt und jung die ganze Nacht gesungen und getanzt, nur die Kandidaten sitzen untätig ringsum. Der Text eines bei dieser Gelegenheit gesungenen Liedes heißt nach dem Häuptling Akundonde und seinem Begleiter Akumapanje folgendermaßen:
Kausi lugono a kwete lugono a kwete
(Vogel) Kausi müde ist,
Kausi lugono a kwete.
Mit dem Vogel Kausi ist der zu beschneidende
Knabe gemeint. Er war müde und schläfrig bis dahin; jetzt wird er lebhaft und munter werden (als reifer Mann). Dies Lied erinnert ganz deutlich an die von zahlreichen anderen Naturvölkern geteilte Ansicht, daß der Mensch mit dem Übergang in die Mannbarkeit ein ganz anderer, daß er sozusagen neu geboren wird.
Gegen Morgen ziehen die Knaben unter Führung ihrer Anamungwi, d. h. der Erwachsenen, von denen jeder Knabe für die Zeit des Unyago einen als Mentor zugeteilt bekommt, in den Wald und machen ein Feuer. Um dieses tanzen die Anamungwi, während die Knaben wieder zuschauen. Auf dem Festplatz tanzen dann alle Erwachsenen Masewe, einen wilden Reigentanz, bei dem die Teilnehmer durch Knöchelrasseln aus der Oncobafrucht (Taf. 46 Abb. 8), durch