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Was Afrika mir gab und nahm : Erlebnisse einer deutschen Ansiedlerfrau in Südwestafrika / von Margarethe v. Eckenbrecher
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2Z2 Der Ausstand

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6. In der Kaserne zu Omaruru.

Stabsarzt Dr. Kühn und seine junge Frau nahmen sich aufs rührendste meiner an und sorgten für das Kind. Ich sollte erzählen und mußte mit einem ständigen Angstgefühl kämpfen, ich könnte vom Stuhle fallen. In dumpfen Lauten nur schlug die Unterhaltung an mein Ohr.

Jetzt hieß es ein Unterkommen für mich finden, aber wo bei der Menge Soldaten? In der Kaserne, die aus drei Häusern bestand, mußte es sein. Die Mannschaften lagen aber bereits in den Veranden und auf dem Hofe. In einem Hause wohnten zusammengepfercht die Ansiedler, während die beiden anderen für die Soldaten bestimmt waren. Der Rest der Flüchtigen hatte den Hof entlang eine Wagen­burg aufgeschlagen, wo es aussah, wie auf einem Jahrmarkt. Hinter den Wagen lagen die Viehkrale mit dem geretteten Vieh der Ansiedler und dem Beutevieh der Kompagnie.

Es wäre mir gänzlich gleichgültig gewesen, wo ich mein müdes Haupt zur Ruhe gelegt hätte, handelte es sich nicht um das kranke Kind. Wie der Retter in der Not erschien abermals Hauptmann Franke und ließ mir ein kleines Unteroffizierzimmer einräumen. Dort hatte ich es über Erwarten gemütlich. Ein bequemes eisernes Bett stand da mit weißblau gewürfelten Bezügen, ein Waschtisch und ein allerdings durchgetretener Stuhl.

Herr Kindt, genannt der Dicke, polsterte mir seine Badewanne mit Decken aus als Kinderbett. Auch verschaffte er mir eine kleine Öl­lampe, Eßgeschirr und Proviant. Sogar Milch und ab und zu ein frisches Ei fürs Baby und Bedienung zauberte er herbei.

Des Kindes Ruhe in der Nacht störten die vor meiner Tür liegenden Soldaten. Deshalb mußte ich es, um es zu beruhigen, die ganze Nacht auf und ab tragen. Am Morgen hatte es 40,9 Grad Fieber. Stabsarzt Dr. Hummel konstatierte Malaria; seiner unver­drossenen Sorgfalt bei aller Arbeit im Lazarett verdanke ich, daß es dem Kleinen bald besser ging.

Im Lazarett sah ich mich, sowie es meine Zeit erlaubte, nach den Verwundeten um. Bei den vielen Verwundeten wäre eine Diakonissin