Dritter Teil.
Der Kufstand.
1. Wetterleuchten.
em friedlichen Weihnachtsfeste folgte ein stilles Neujahr. Heiß und fchwül waren die Tage, dumpf und unerquicklich die Nächte. Über dem Okombaheberg,*) der dem Platz den Namen gegeben, ballten sich schwärze Wolkenwände zusammen. Finster und drohend schienen sie schwer auf den öden Koloß herabzuhängen, jeden Augenblick bereit, ein böses Wetter zu senden. Gelbe Blitze schössen raketengleich am Horizont. Es war schier unerträglich.
Die Schwüle der Natur schien sich den Gemütern mitzuteilen. Man hatte ein unbehagliches Gefühl. Etwas war anders, aber was es war, das konnte man nicht ergründen.
Die Hereros, die eine halbe Stunde von Okombahe entfernt, in Kawab, wohnten, waren sehr geschäftig. Ihre Großleute kamen oft nach Okombahe, um in den verschiedenen Stores Einkäufe zu machen. Mehr als sonst. Wunderte man sich darüber, so hieß es: „Wir fürchten, schlechtes Gras auf Kawab zu bekommen. Wir wollen frühzeitig mit dem Vieh trecken, deshalb bereiten wir alles vor."
Uns besuchten sie des öfteren. Wir hatten stets auf freundschaftlichem Fuße gestanden und wunderten uns, als sie sich eines
*) Okombahe heißt aus Herero soviel als: „Da, wo die Giraffe", weil der Berg, an dessen Fuß Okombahe liegt, die Form einer liegenden Giraffe hat.