Der Aufstand bricht aus — Ein gefährlicher Ritt 203
Kinder in dem kleinen Zimmer. Frau Merker lag schluchzend und betend auf der harten Matratze. Ich bat sie, sich doch um des Kindes willen, das sie stillte, zur Ruhe zu zwingen. Dann ward es wieder still im Zimmer. Es kam kein Schlaf in unsere Augen. Man hat so viel zu denken in der Nacht, die vielleicht die letzte ist. Wir sorgten uns beide so sehr um unsere Männer, deren Schicksal uns unbekannt. Waren sie tot? Lebten sie noch? Wo? Wie? Lagen sie verwundet und hilflos irgendwo im Busch?
3. Ein gefährlicher Nitt.
Um Mitternacht setzte ein schwerer Regen ein. Wie eine gewaltige schwarze Masse lag das Firmament. Dann plötzlich regnete es, erst die Tropfen hart aufschlagend und dröhnend aus dem Wellblech des Daches, dann strömend, unaufhaltsam fallend, als wollte es nie ein Ende nehmen. Und von den Felsen rieselte es. Es vereinte sich zu kleinen Rinnsalen und bohrte sich im Sande weiter und wuchs an zu kleinen Strömen.
Von den Seitenrivieren ergoß es sich in den Omaruru, endlos, mit gewaltigen Mengen. Dort schwoll das Wasser an zu mächtigen Wellen und brauste weiter, weiter, in erhabener Melodie, flußabwärts dem Meere zu.
Mit sich riß es, was zwischen seinen Ufern haltlos war: Baumstämme, Sträucher, Vieh, Menschen.
Und mit den eklen, gelben Wasserwogen um die Wette, um noch die Furt zu erreichen, ritt aus Leben und Tod, aus abgehetzten, müden Gäulen ein winziges Häuflein Menschen, sünf an der Zahl, um noch zur Zeit zu kommen, uns Hilse zu bringen in unserer Bedrängnis.
Es waren Themis, der brave, dicke Sergeant Josefowsky und noch drei andere Reiter, die das Unmögliche möglich gemacht hatten und nach Erledigung des Pferdetransports nun von Omaruru zu uns zurückkehrten, ermattet zum Umsinken, aber wohlversorgt mit Patronen.---