Druckschrift 
Was Afrika mir gab und nahm : Erlebnisse einer deutschen Ansiedlerfrau in Südwestafrika / von Margarethe v. Eckenbrecher
Entstehung
Seite
189
Einzelbild herunterladen
 

Wetterleuchten Igg

mir hören wird!" Sprach's und verschwand mitsamt seinen Kum­panen.

Mein kleiner Bambuse Jsaak, der das Kind in Verwahrung hatte, kam eiligst gelaufen und berichtete:Ich weiß gar nicht, was die Hereros wollten. Sie kamen auf mich und das Kind zu und fragten mich, ob es ein Junge oder ein Mädchen sei. Als ich es ihnen sagte, gingen sie fort und riefen mir lachend zu: »Bleib nur hier, wir kommen nachher wieder!«"

Bei diesem Bericht des Jungen war ich tief erschüttert. Mein Kind hatten sie also auch umbringen wollen. Nie in meinem Leben fühlte ich mich so grenzenlos verlassen als wie in diesem Augenblick. Und doch mußte ich froh sein, daß ich zur Zeit, als die Hereros kamen, allein war. Wäre mein Mann dagewesen, so hätten sie ihn sicher er­barmungslos im Hause erschlagen. Vor mir hatten sie Wohl noch ein wenig Scheu und besannen sich, ihr Vorhaben auszuführen. Vielleicht auch mochte ihnen die Erinnerung kommen an all die Mahlzeiten, die gerade die beiden von mir empfangen, an die vielen Male, da sie ihr Korn auf meiner Mühle mahlen durften, an die Sonntage, da sie so und so oft Rat und Medizin bei mir geholt hatten.

Mir war ganz elend, aber um des Kindes willen nahm ich mich zusammen. Die Verantwortung, sein Leben zu schützen, lag ja einzig und allein in meiner Hand.

2. Der Aufstand bricht aus.

Am 14. Januar früh kam eine Eilpatrouille von zwei Reitern. Sie hatten Befehl, die Pferde zu holen, die auf dem Pferdeposten Soris-Soris standen. Soris-Soris ist einer der wenigen Plätze, an denen die gefürchtete Pferdesterbe nicht auftritt. Aus diesem Grunde wurden die Pferde der 2. Feld-Kompagnie, Outjo, und die der 4., Omaruru, dort während der Regenzeit unter dem Schutz eines Unteroffiziers und mehrerer Kaffern gelassen. Die Patrouille über­brachte zugleich die Ordre, daß sich die Besatzung unserer Militär­station Okombahe, bestehend aus allen aktiven und den zur Reserve eingezogenen Mannschaften, in Omaruru einzustellen habe. Sie