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Handbuch des Deutschtums im Auslande : nebst einem Adressbuch der deutschen Auslandsschulen / hrsg. vom Allgemeinen Deutschen Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande
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Japan.

Arthur der Hamburg-Amerika-Linie auch Chemulpo an; neuerdings ist in diese Fahrt ein zweiter Dampfer eingestellt morden.

In Soeul fungierte von 19036 ein deutscher Ministerresident, der zugleich Konsul a. i. war; infolge der Übertragung der auswärtigen Vertretung Koreas an Japan ist die deutsche Ministerresidentür aufgegeben worden.

XI. Japan.

lH, Paalzow in: D. Deutschtumi. Auslande, 23.Jahrg. ^1904), Sp. 1'21ff. K- T. Stövel. Ueber japanisches Bankwesen und Deutschlands Anteil am Welthandel und der Industrie Japans. Halle a. S, 1898. A, Wirth in Dtsch. Erde l, 136 ff. Kürchhoff in Asien II, 1903. Jintaro Omura, Die deutsche Schule in Tokio, in: Asien I, s1902), S. 77. Mitteilungen von Pros, viv L. Rieß.)

Die Geschichte des Deutschtums in Japan reicht mit ihren Ansängen in das letzte Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts zurück und setzt gleichzeitig mit der wissenschaftlichen Erforschung des Landes ein. Denn der erste Europäer, der in planmäßiger Weise exakte Studien über die natürlichen und kulturellen Verhältnisse des Landes angestellt hat, war ein Deutscher: Engelbert Kämpfer, geboren und gestorben in Lemgo, der Residenz einer der kleinsten Kleinstaat- sürsten Deutschlands. Zu einer Zeit, als Japan sich aufs strengste nach außen abschloß, ist es ihm als Arzt der Faktorei, die der niederländischen ostindischen Kompagnie aus einer Insel vor Nagasaki gestattet blieb, gelungen, ein außer­ordentlich reiches und zuverlässiges Material zur Kenntnis nicht nur der Geschichte, der Verfassung, der kulturellen Verhältnisse, sondern vor allem auch der Pflanzen- und Tierwelt Japans zu sammeln. Obwohl er sich nur verhältnismäßig kurze Zeit, etwas über zwei Jahre, in Japan ausgehalten hat, erlangte sein Werk, das erst nach seinem Tode, und zwar zunächst in englischer Sprache veröffentlicht wurde, durch die Fülle seiner originalen Nachrichten grundlegende Bedeutung und noch heute ist es von ganz unschätzbarem Wert.

Ebensalls als Arzt der holländischen Faktorei in Nagasaki hat lange Zeit nach Kämpfer, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ein anderer Deutscher, der Würzburger Philipp Franz v. Siebold, die Förderung der wissenschaftlichen Kenntnis Japans sich zur Ausgabe gemacht. Nachdem er von 182326 in Nagasaki geblieben war, wirkte er in der Hauptstadt Mdo von 182630 als Leiter einer medizinischen Unterrichtsanstalt; unter den lernbegierigen Japanern hat er eine ausgedehnte medizinische Schule begründet, deren Einfluß bis in die Gegenwart hineinreicht. Die Ergebnisse seiner naturwissenschaftlichen Forschungen, die er sieben Jahre hindurch betrieb, hat er nach seiner Rückkehr nach Europa in mehreren Werken, namentlich in dem Buche:Nipvon, Archiv zur Beschreibung von Japan", ferner einer Fauna und Flora japonica und einem Atlas des japanischen Reiches niedergelegt. Eine zweite Reise, zu der ihn die Oeffnung der japanischen Häfen im Jahre 1854 veranlaßte, führte zu einem neuen Aufent­halt von August 1859 bis 1862. Er wurde auch vom Shogun als politischer Rätgeber verwendet, von der holländischen Regierung aber nach Java berusen. Seine Schüler und die führenden Männer Japans wissen, was Siebold ihrem Vaterlande gewesen ist; durch die Inschrift des Denkmals, das ihre Dankbarkeit ihm errichtet hat, haben sie bezeugt, daß ihmder Ruhm der großen Tat der Einführung der Zivilisation im heutigen Japan" gebühre.

Als dann im Jahre 1867 in Japan infolge der großen Staatsumwälzung dem Einströmen der modernen Kultur die Tore geöffnet wurden, haben wiederum Deutsche in hervorragendem Maße an dem großen Werk der Uebermittlung europäischer Kultur mitgearbeitet. Wenn es auch nicht möglich ist, den Anteil der einzelnen Nationen hieran im einzelnen genau zu bestimmen, so ist doch sicher, daß auf manchen Gebieten das deutsche Element die stärkste Einwirkung