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Handbuch des Deutschtums im Auslande : nebst einem Adressbuch der deutschen Auslandsschulen / hrsg. vom Allgemeinen Deutschen Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande
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Koren.

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X. Korea.

(A. Wirth, Die Entwicklung Koreas, in: Asien III, 1903, S. 6 ff. D, Wirtschaft!. Asien I l1904^, Nr. 4. Die deutsche Schule im Auslande III, 1904, S. 285 f. - Mit­teilungen von Prof. I)r. L. Rieß.)

Obwohl Korea bereits im Jahre 1882 den Fremden geöffnet wurde, ist die Zahl der Europäer selbst heute noch verhältnismäßig gering; unter den Ende 1903 hier lebenden 35 743 Ausländern mögen etwa 30 000 Japaner und gegen 5000 Chinesen sein. Die Wirksamkeit der Europäer hat sich aber namentlich aus dem Gebiete des Verkehrswesens schon' sehr geltend gemacht. Außer als Kaufleute und Minenleute sind die Fremden als Lehrer, Aerzte, Ingenieure, Zollbeamte und im Kaiserlichen Dienst tätig; weit über die Hälfte aber wirken im Missions- und diplomatischen Dienst.

An deutschen Reichsangehörigen wurden im Jahre 1904 43 gezählt, während 28 Personen im Reiche geboren waren^) inzwischen mag ihre Zahl etwas zurückgegangen sein. In Kaiserlich Koreanischen Diensten stehen ein Leiter der deutschen Schule sür Koreaner (40 Schüler), ein königlich preußischer Musik­direktor als Dirigent der Hos- und Militärmusik und zwei Repräsentantinnen in der europäischen Abteilung des Hofmarschallamts. Bis vor kurzem war auch der Leib­arzt des Kaisers ein Deutscher; nach vierjähriger Tätigkeit, in der er sich das vollste Vertrauen des Kaisers erwarb, ist er vor wenigen Monaten nach Tokio übergesiedelt. Im ganzen leben in Soeul 13, in Chemulpo 11, in Fusan 2 Deutsche. In der Zollverwaltung sind in Gensan, Fusan, Mokvho und Chemulpo einige Deutsche angestellt: so ist in Gensan der Zollkommissar, in Fusan der ediet' commissioner ein Deutscher.

In Soeul und dessen Hasen Chemulpo, besteht je eine deutsche Großfirma.^) Weiter im Norden beutet eine deutsche Firma, das Haus Meyer 8- Co. in Hamburg, die Goldmine Kimsveng im gleichnamigen Distrikt aus. Diese Konzession hat sich jedoch sür den Großbetrieb als nicht einträglich erwiesen. Der deutsche Ministerresident hat sich daher, zumal die Amerikaner bereits zwei sehr ergiebige Gruben besitzen und neuerdings auch den Italienern eine Konzession erteilt worden ist, um eine bessere Konzession bemüht, ohne freilich zunächst Ersolg damit Zu haben.

Der Anteil Deutschlands an der Einsuhr ist zahlenmäßig nicht genau zu ermitteln, weil die koreanische Zollstatistik Deutschland als Herkunftsland nicht besonders berücksichtigt. Es steht aber sest, daß alle Nägel deutscher Herkunft sind, wenn sie auch über England durch eine englische Firma eingeführt werden, die das ganze Nagelgefchäft in ihre Hand gebracht hat; auch die Anilinfarben kommen größtenteils aus Deutschland. Die Einfuhr deutschen Zuckers ist in lebhafter Zunahme begriffen, während anderseits in China jetzt Oesterreich erfolgreich mit weniger gutem, aber billigerem Fabrikat konkurriert. Nach der amtlichen deutschen Statistik ist der Wert der Gesamtaussuhr Deutschlands nach Korea von 51 000 Mark im Jahre 1897 aus 200 000 Mark im Jahre 1904 gestiegen.') Der Wert der Ausfuhr nach Deutschland betrug 1897 14000 Mark, 1902 dagegen nur 10000 M.

Im Schisfsverkehr ist die deutsche Beteiligung von 1898 bis 1902 be­ständig zurückgegangen; es erklärt sich dies daraus, daß srüher einige der koreanischen Regierung gehörige Dampser, solange sie dem deutschen Lieferanten noch nicht bezahlt waren, unter deutscher Flagge sichren. Jetzt läuft regelmäßig - zweimal in drei Monaten ein Dampfer der Route Hongkong-Shanghai-Port

Vgl. F. Zahn, Die Deutschen im Auslande usw., S- 10. ") Vgl. auch unten S. 237.

Da viele deutsche Waren durch englische Vermittlung importiert werden, sind diese Zahlen sicherlich zu niedrig.