Gartenbau. — Allerlei Erlebtes und Beobachtetes 159
gewächs empor, dessen weißliche Blütentrauben einen heliotropartigen Geruch verbreiteten.
Vom Felde hatten wir mit der Karre eine hochstämmige Aloe geholt. Eukalyptus, Agaven, Oleanderbüsche, Kakteen und wilder Tabak wurden gepflanzt. Die Blüten des letzteren Busches sehen denen des echten Tabaks ähnlich, deshalb hat fälschlicherweise diese Pflanze den Namen erhalten. Sie wächst sehr schnell und erreicht eine beträchtliche Höhe.
Unser zierliches Häuschen mit den blühenden Büschen und Blumen, den Blumenkästen in den Nischen der Veranda machte einen selten heimischen Eindruck der Bequemlichkeit und des Behagens, und ich überraschte einstmals einen lange im Lande lebenden Weißen, der, in der Verandatür stehend, ganz gerührt war und mit feuchten Augen und, wie er offen gestand, Neid im Herzen, diesen traulichen Winkel inmitten der Einsamkeit und Wildnis betrachtete.
Wir fühlten uns glücklich auf Okombahe, wenngleich wir mit großen pekuniären Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Unser Leben bestand in schwerer, körperlicher Arbeit, eintönig und doch so abwechslungsreich.
Frühmorgens um 5 Uhr ward aufgestanden. Während mein Mann in den Kral ging und das Vieh aufscheuchte, das Melken beaufsichtigte, die Arbeiter für den Garten anstellte, fütterte ich die Hühner und Tauben, denen sich Kibitze und Namatauben beigesellten, auch eine Finkenart, die namentlich im Korn viel Schaden anrichtet. Dann wurde das Kind in die Morgensonne gestellt, und ich bekümmerte mich um das Frühstück. Leider konnte ich es nicht den Bambusen überlassen, da es mir nicht gelang, ihnen das Stehlen abzugewöhnen. Sie nahmen vom Kaffee, rissen sich Stücke Brot ab, verschlangen zwischen Tür und Angel große Stücken Fleisch und planschten Wasser in die Milch.
Es war reizend auf der Veranda so am taufrischen, frühen Morgen. Heller Sonnenschein lachte, die Blumen und Kräuter, von
10. Allerlei Erlebtes und Beobachtetes.