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Was Afrika mir gab und nahm : Erlebnisse einer deutschen Ansiedlerfrau in Südwestafrika / von Margarethe v. Eckenbrecher
Entstehung
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Zukunftspläne und Enttäuschungen. Viehzucht 123

mit deutschen Firmen wegen Lieferung eines Windmotors, ver­schiedener Pumpen und Wasserleitungsröhren in Verbindung.

In liebenswürdigster Weise kam uns der damalige Bezirkschef von Omaruru entgegen und befürwortete für uns die Sache. Aber/ die Verhandlungen zogen sich nach afrikanischer Manier unendlich in die Länge und waren noch zu keinem endgültigen Abschluß gekommen, als der Herero-Krieg ausbrach.

7. Viehzucht.

Während des Hausbaus hatten wir uns wohl viel mit unseren! Vieh abgegeben, doch wurde das Interesse daran noch viel größer, seit wir mehr Zeit hatten, uns eingehender darum zu kümmern.

In der Behandlung des Viehes richteten wir uns ganz nach den Gebräuchen des Landes.

Hinter dem Hühnerstall, etwas vom Wohnhause entfernt, aber doch so, daß man sie vom Schlafzimmerfenster aus überblicken konnte, lagen die Krale, in denen das Vieh zur Nacht Unterkunst fand. Mein Mann ging mit mehreren Eingeborenen tagelang in die Wildnis, wo sie Dorngebüsch von anderthalb bis zwei Meter Höhe kappten. Diese abgehauenen Sträucher, Tackies genannt, wurden zu Hausen gepackt und dann mit Hilse der Ochsen hereingeschleist. Ein großer Kreis wurde abgesteckt und an seine Peripherie das Dorngebüsch gelegt, immer ein Busch aus den anderen. Dabei mußte man sehr auspassen, daß keine Lücken blieben, durch die sich die Schakale, die größten und frechsten Viehräuber, hindurchzwängen konnten. Zwei Psähle wurden in geringer Entfernung voneinander eingerammt, so daß man die da­durch entstandene Öffnung bequem mit einem festen Busch, den man dazwischen steckte, verschließen konnte. Das war die Tür.

Um das Vieh vor Krankheiten, Seuchen und wilden Tieren zu bewahren, werfen die Eingeborenen stets eine Handvoll Kuhmist hinein, ehe der Kral von den Herden bezogen wird.