60 Die Ausreise
Die Namen der Ochsen sind meist dem Holländischen entlehnt; so hießen einige der unseren: Dunker (der Dunkle), Bloemveldt, Swarter, Whitsand, Twelführ usw.
Vor den Ochsen ging Michael, der Tauleiter, der den Ochsen die Pad zeigen mußte. Haben sich die Ochsen erst aneinander gewöhnt, so halten sie den Weg inne auch ohne Führer, und nur bei ganz gefährlichen Stellen wird dann das Tau ersaßt.
Unter „Tau" versteht man die zwei Riemen, die den beiden Vorderochsen um die Hörner geschlungen sind. Sie werden zusammengeknotet und ergeben auf diese Weise eine Art Zügel. Der Tauleiter erfaßt ihn und geht vor den Ochsen her, die Hände mit dem Riemen auf dem Rücken.
So also sah unsere Karre aus, als sie sich Donnerstag, den 12. Juni, unter dem Abschiedswinken der Bekannten in Bewegung setzte. Wir waren nur zu froh, Karibib den Rücken kehren zu können. Das ewige Auf-der-Hut-sein, Sich-vorsehen-müssen, hatte unsere Nerven angegriffen. Außerdem sorgten wir uns, ob wir's wohl richtig angefangen hätten, ob- es so, wie wir alles unternahmen, das Praktischste, Billigste sei. Nun lag alles hinter uns. Das Geschehene war nicht ungetan zu machen, deshalb Zähne zusammenbeißen und fest in die Zukunft blicken. Zwar hatten wir die Pad vor uns mit ihren Anstrengungen, den kalten Nächten und Dursttouren, doch dies waren alles nur körperliche Unannehmlichkeiten. Wir waren guten Mutes und sahen sehnsüchtig in die schwimmende Ferne, aus der blau und dunstig, wie mit feinen Schleiern verhüllt, die Höhen des herrlichen Erongo-Gebirges emporragten, an dessen Fuße wir entlang ziehen mußten.
10. Auf der Ochsenkarre von Karibib nach Okombahe.
Das Ziel unserer ersten Reise sollte Okombahe am Omaruru- Fluß sein, meines Mannes Lieblingsaufenthalt aus früherer Zeit, wo er auch noch ein winziges Häuschen und einigen Grundbesitz hatte. Dort beabsichtigten wir, uns dauernd niederzulassen und Farmerei zu betreiben.