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Was Afrika mir gab und nahm : Erlebnisse einer deutschen Ansiedlerfrau in Südwestafrika / von Margarethe v. Eckenbrecher
Entstehung
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Erster Teil.

Die Ausreise.

1. Die ersten zehn Tage.

bschied von Hamburg. Es war am letzten Tage im April des Jahres 1902. Dichter, feuchter Nebel lag über der alten Hansastadt Hamburg ausgebreitet. Ein feiner Sprühregen rieselte unaufhörlich vom grauen Himmel. Wer Hamburg so sieht, auf den macht es einen tristen Ein­druck. Zwar versuchten wir im Ratskeller der öden Stimmung etwas entgegenzuwirken, doch mit wenig Erfolg. So schlichen die Stunden. Auf drei Uhr war die Abfahrt des Dampfers festgesetzt. Wir fuhren zum Hafen. Über der Elbe braute der Nebel. Ver­schwommen nur erschienen die tausend Masten und Schornsteine der Segler und Dampfer.

Vor dem Amerika-Kai lag die Pinasse, die uns zumEduard Bohlen" bringen sollte. Einige wenige Menschen hatten sich in der Wartehalle eingefunden, um den Scheidenden Lebewohl zu sagen, für denEduard" selber wenig Passagiere. Neugierig schweifte mein Blick über sie hin. Etliche hatten interessante Physiognomien. Afrika, das dunkle Land, das Land der Entbehrungen und Kämpfe, hatte schon manch einem der dorthin Zurückkehrenden den Stempel aufgedrückt. Jetzt schien die Hoffnung auf Zukunft, auf eine blühende, goldene, die Gesichter zu verschönen und den bitteren Abschiedsschmerz

v. Eckcnbrecher, Was Afrika mir gab und nahm. 1