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Was Afrika mir gab und nahm : Erlebnisse einer deutschen Ansiedlerfrau in Südwestafrika / von Margarethe v. Eckenbrecher
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46 Die Ausreise

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8. Auf der Reise nach Karibib.

Wir standen auf dem Vorderperron des Wagens. Allmählich lichtete sich der Nebel, so daß man anfing, die einzelnen Gegenstände deutlicher zu unterscheiden. Was man sah, war allerdings nicht viel. Sand und Dünen und Dünen und Sand. Hin und wieder erheben sich Felsen von gleichgültiger Form und einzelne, vom Sand fast verwehte und durch den hineingewehten Sand gestürzte Strandbüsche.

Mühsam klomm der Zug eine kleine Erhebung hinan. Zur Linken entdeckten wir grünes Buschwerk, Bäume und Sträucher, auf denen das Auge in dieser Öde wohlgefällig ruhen konnte. Es war das Swakoprivier. In der trockenen Zeit befindet sich im Flußbett des Swakov au der Oberfläche kein Wasser, aber während der Regen­zeit kommt der Swakov in so gewaltigen Mengen herab, daß er ge­fährlich wird. Augenblicklich war er gänzlich ausgetrocknet, aber die grünen Büsche müssen doch Grundwasser haben, das sie speist. Und wenn man in ihrer Nähe sachgemäß gräbt, stößt man bald auf Wasser.

Südwestafrika ist nicht so wasserarm, wie es immer geschildert wird. Freilich, an der Oberfläche des Landes ist äußerst wenig Wasser zu finden; es ist selten, daß es zutage tritt. Aber unterirdische Flußläufe sind in Menge vorhanden. Die Eingeborenen richten sich nach dem Flug der Vögel, der sie morgens und abends zum Wasser führt, und gehen ihnen nach. Finden sie kein offenes Wasser oder sind sie zu durstig, lange danach zu wandern, so sehen sie sich die Vegetation des betreffenden Ortes genau an. Ihnen sind die Büsche und Pflanzen, die auf Grundwafser schließen lassen, genau bekannt. Kommen sie nun an einen unterirdischen Flußlauf, so graben sie nicht etwa aufs Geratewohl in dem fandigen Bett, sondern gehen in ihm entlang, bis er irgendwo eine Krümmung macht, oder bis sich Felsen im Flußbett zeigen. Dort staut sich naturgemäß das Wasser und wird daher in größerer Menge vorhanden fein, als wenn sich ihm beim Abfließen keine Hindernisse vorlegen. Dementsprechend wird man auch an solch einer Stelle am ehesten Wasser finden.

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