32 Die Ausreise
lieber, — ich hätte allein sein mögen, weit weg von all den anderen, die mich quälten mit ihrer Lustigkeit.
Bald aber lag der Koloß des Dampfers vor uns mit den rotgrünen Lichterchen an den Masten und den erhellten Bullaugen. Auch dort ging's lustig her. Musik, Gesang, Gläserklingen tönten durch die Stille. Da schüttelte ich gewaltsam die sentimentale Anwandlung ab und hielt mich zu den übrigen.
An Bord war eine Gesellschaft Portugiesen gekommen, den Kapitän zu besuchen. Die Sektpfropfen knallten an allen Tischen. Trotzdem wir uns doch gegenfeitig vollkommen fremd waren, regnete es Trinksprüche in bösem Französisch auf beiden Seiten. Wir wurden die lieben Leutchen gar nicht los, die sich so schrecklich wohl bei uns fühlten. Erst als der Kapitän sich nicht anders zu helfen wußte, und das elektrische Licht abstellte, brachen sie auf, nicht ohne einzelne der Herren, die ihnen gerade in die Quere kamen, zu umarmen und ihnen ewige Freundschaft zu schwören.
Von ihren Booten aus riefen sie noch so lange, bis es nur noch wie ein schwaches Echo klang: „Vive l'^llernaAue", und die Unseren erwiderten bis zur Heiserkeit: „Vivs 1s ?0rtnAg.1!"
Schon längst waren die Anker in die Höhe gerasselt, und die Flagge hatte sich gesenkt — da endlich kehrte die Ruhe ein.
Und ich lag schlaflos an Deck und richtete die Blicke zu den Sternen, die in so strahlend Hellem Glänze leuchteten, wie ich ihn in unseren Breiten niemals sah. Über der stillen, dämmerigen Wasserfläche lag endloser Friede ausgebreitet, und mehr denn je empfand ich in dieser schweigenden Tropennacht die mächtige, bis in die tiefste Seele dringende Sprache des Meeres.
6. Port Alexander.
Den übernächsten Tag, am frühesten Morgen, sahen wir einen grauen Streifen sich abheben von dem blauen Meer: Port Negro. Das Wetter war umgeschlagen und der Wellengang sehr hoch.
Port Negro hat keinen Hafen, und so konnte die wenige Ladung, die der „Eduard" für Port Negro hatte, nicht gelöscht werden. Beim