Am 12. Januar 1904 brach der Herero-Feldzug aus, und begann mit der grausamen Ermordung von 150 wehrlosen Farmern, Frauen und Kindern. Fast Allen kam dieser Ausstand überraschend. Die Plötzlichkeit, mit der er losbrach, die Einheitlichkeit in der Organisation, die Verschwiegenheit der Eingeborenen bis zur letzten Stunde lassen auf eine sorgfältige Vorbereitung und einen mächtigen Zusammenhalt unter den Hereros gegen die Weißen schließen. Und dies weist auf die eigentlichen Gründe des Ausstandes hin.
Nach diesen Gründen ist vielfach gesucht worden: Die einen behaupten, der Gouverneur habe die Eingeborenen zu zart angefaßt und sie dadurch übermütig gemacht. Andere meinen, sie hätten unter der Last der ihnen von den Händlern aufgebürdeten Schulden geseufzt, nnd wären auch der Übergriffe von feiten der deutschen Farmer so überdrüssig geworden, daß sie zu den Waffen griffen, um sich ihrer Peiniger zu erwehren. Es wurde auch von schlechter Beamtenwirtschaft, ja sogar vom Rinder-Impfzwang als Ursachen des Aufstandes gesprochen.
Dies alles würde jedoch nicht ausreichen, die Erscheinung zu erklären. Diese liegt tiefer begründet, und beruht auf dem Nassen- gegensatz zwischen Eingeborenen und Weißen, sowie in dem Umstände, daß überall in der Welt, wo sich die Interessen ver-, schiedener Völker hart berühren, um die Vorherrschaft gerungen werden muß. Solange der ewige Friede „nur ein Traum und nicht einmal ein schöner" ist, werden solche Machtfragen sich nicht anders entscheiden lassen, als mit dem blanken Schwert.
Was die Rassengegensätze betrifft, so müssen wir, um sie zu verstehen, uns zunächst den Charakter der Eingeborenen betrachten, mit denen wir es in der Kolonie Südwestafrika zu tun haben. Es ist