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Die Eisenbahnen Afrikas : Grundlagen und Gesichtspunkte für eine koloniale Eisenbahnpolitik in Afrika
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außer der den Hauptstreitpunkt bildenden Linie Beth­lehemKroonstadt noch zwei weitere Eisenbahnstrecken: BethlehemModderpoort (in der Orange-Kolonie) und BrakvanWitbank (im Transvaal) eingeschlossen, über welche die an dem Jnlandshandel intere sierten Küsten- kolonien wegen der Durchfrachtraten uneinig waren. In dem BethlehemKroonstadt-Streit hat die Kaplonie nach­geben müssen, indem dem Verlangen Natals entsprechend der Ort Smaldeel, der von Durban und East London etwa gleich weit entfernt ist, als die gemeinsame Basis für die Ratenfestsetzung angenommen worden ist. Da­gegen hat Natal seinerseits wiederum in der Frage der Raten auf der zurzeit noch im Bau befindlichen Linie BethlehemModderpoort mit seinen Wünschen zurück­stehen müssen. Hinsichtlich der gleichfalls noch unfertigen BrakvanWitbank-Linie (im Transvaal) sollen alle an der Durchfracht von der Küste her beteiligten Linien sich jeder Herabsetzung der gegenwärtigen Raten bis zum Zusammentritt einer interkolonialen Eisenbahnkonferenz enthalten. Wie das Memorandum hervorhebt, haben Lord Selborne und die Regierung in London bei dem nahen Bevorstehen der Einführung der Selbstregierung im Transvaal und in der Orange-Kolonie es vermieden sehen wollen, daß eine endgültige Regelung getroffen werde, die mit den Wünschen der künftigen kolonialen Volksvertretungen nicht übereinstimmen könnte. Daher ist festgesetzt, daß die Vereinbarung nur auf längstens ein ^ahr in Kraft bleiben solle, wofern nicht schon vor­her eine definitive Verständigung auf einer tunlichst bald einzuberufenden interkolonialen Eisenbahnkonferenz erzielt werden würde. Aus demselben Grunde ist nach dem Memorandum auch die Frage des moöus vivsuäi zur­zeit zurückgestellt worden. Von Großbritannien soll un­verzüglich ein Eisenbahnsachverständiger nach Südafrika entsendet werden, um die in Betracht kommenden eisen­bahntechnischen Verhältnisse an Ort und Stelle zu studieren. Der Bericht dieses Sachverständigen soll als- dann der künftigen Konferenz vorgelegt werden.

Die südafrikanische Presse äußert im allgemeinen Befriedigung über die vorläufige Beendigung des uner­quicklichen Ratenkriegs. Es bleibt nunmehr abzuwarten, ob die einzuberufende interkoloniale Eisenbahnkonferenz Mittel und Wege zu einer endgültigen Lösung der süd­afrikanischen Eisenbahnfrage finden wird.

12. Mitteilungen über Eisenbahnprojekte in Britisch- Südafrika.

Oktober 1906.

Durch ein in der diesjährigen Parlamentssession ange­nommenes, Reülvi^ Requisition an6 Oonstruetion ^.ot 1906 ^et Nr. 34 betiteltes Gesetz der Kapkolonie ist der Bau einer Anzahl neuer Eisenbahnstrecken vorgesehen. Es handelt sich dabei um nachfolgende Linien:

1. Von George nach Oudtshoorn. Diese Strecke wird den Anschluß der jetzt bis Mosselbay bereits be­triebenen und von dort bis George im Bau befindlichen Eisenbahnlinie KapstadtWorcesterMosselbay -Oudts- hoorn bilden, welche die südlichsten Distrikte der Kolonie dem Bahnverkehr aufschließt und in Oudtshoorn an die Bahnen nach Port Elizabeth und East London sich an- gliedernd, die Landverbindung zwischen Kapstadt und diesen beiden Städten bedentend verkürzt.