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Die Eisenbahnen Afrikas : Grundlagen und Gesichtspunkte für eine koloniale Eisenbahnpolitik in Afrika
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11. Nachtrag zum algerischen Eisenbahnnetz.

(1. Abschnitt 1. 1.)

Die algerischen Eisenbahnen nach dem liani^n lnil AU N0M äo 1a eommission du oudKot olmi's^e ä'oxluoiner 1o xro^t äo loi ^uwriL^ut 1a, xorooiZtivu de« droits. produits st RovonuL apvlieadles an dudgot «xoeial de I^lgöris xour l'sxoroieo do 1907 pur N.Oa^kusuvy, d6put6.

I'omo xismier. vio ^eouomuiuo de 1'^lgorio.

Der Rapport tritt in der Hauptsache für die Verein heitlichung der Tarife uud darum für die allmähliche Verstaatlichuug der algerischen Bahnen ein. Da sich dieses ueueiuzuführeude System nnt dem hergebrachten im Mntterlande selbst im Widerspruch befindet, so kann eine derartige Polemik nicht überraschen. Die Ver­einheitlichung der Tarife soll auf der Grundlage der niedrigsten Rate, der der P.-L.-M. Gesellschaft stattfinden. Das bedeutet selbstverständlich für die übrigen Gesellschaften zunächst eine Einbuße iu ihreu Einnahmen, und zwar wird berechnet, daß dieselbe für die östlichen Linien 1 684 000 Ar., für die westlichen 549 000 Fr. betragen würde. Die Est Algerien-Gesell­schaft widerseht sich daher den beabsichtigten Reformen. Da aber die Linien dieser Gesellschaft nach den K<m zessionsbedmgungen seit dein Jahre 1890 rückkaufbar siud, so ist damit das einfachste Mittel an die Hand gegeben, die Vereinheitlichung der Tarife zu erzwiugeu. Hierzn erklärt M. Cazeneuve, als algerischer Abgeordneter:Die Verhältnisse in Frankreich sind durchaus nicht dieselben wie bei uns, sie ähneln sich so wenig, daß man Anhänger der Verstaatlichung für Algerien sein kann und doch Gegner für Frankreich bleiben. Jenseits des Mittelmeer^ (d. i. im Mutterlande), wurden die Eisenbahnen der Ge­sellschaften den Anforderungen des Publikums gerecht, ohne die Staatsfinanzen zu belasten. Obwohl es nicht angebracht erscheint, die Zahlenergebnisse, die auf sehr verschiedener Basis entstehen, zn vergleichen, so mnß doch Wohl anerkannt werden, daß die französischen Personen- und Gütertarife, alles in allem, nicht höher nnd z. T. niedriger sind als in den bestgestellten Ländern, England, Deutschland und Belgien. Das Publikum hat keinen Grund, sich zu beklagen und der Staat ebensowenig, denn die Opfer, die ehedem recht erheblich waren, haben so gut wie aufgehört.

Welch ein Unterschied dagegen nnt Algerien. Überall sind erhöhte Tarife. Bei der Est-Alg6rien sind sie oft geradezu übertrieben, nnd es ist nicht zu erwarteu, daß mau sie wesentlich reduzieren wird infolge des Mangel hafteil Kontraktes vom Jahre 1880, dessen Geist ebenso angreifbar ist wie der Wortlaut. Demgemäß hat also das Publikum keine ernsthaften Besserungen zn erwarten, und dieser ganze Teil Algeriens, der reichste vielleicht, weil er die weitesten Gebiete für eine europäische Kolonisation enthält, die Provinz Konstantine ist zu ständigem wirt­schaftlichem Rückstand verurteilt. Die Opfer, die der Staat bringen muß, werden immer unproduktiv bleiben, nie wird er darauf rechueu köuueu, iu den Genuß der konzessionsrechtlichen Vorteile zu gelangenuud noch weniger wird er ans einen Anteil an den Überschüssen rechnen können. Während sich zurzeit die Bruttokilomeler einnahmen des algerischem Gesamtnetzes ans 10 245 Fr. stellen, hat man berechnet, daß die Kilometereinnahme auf die enorme Höhe von 79 500 Fr. springen maßte, damit der Konzessionär auf die Kosteu seines Unternelnnen5 kommen konnte für Betriebskosten, Zinsen nnd Amortisation