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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
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Kabelnetz angeschlossen, während Togo vorläufig nnr telegraphisch mit Dahomc und der Goldküste verbunden ist und auf diesem Wege Verbindung mit dem Kabel gewinnt.

Der Bau vou Eiseubahneu iu unserem westafrikanischen Schutzgebieten ist in Togo und Kamerun uoch nicht über sehr bescheidene Anfänge hinaus­gekommen und im Interesse der Ausschließung dieser Kolouieeu wäre eiu schnelleres Tempo in der Schaffung moderner Verkehrsmittel dringend nötig. In Südwest­afrika ist wenigstens die schmalspurige Verbindungsbahn zwischen dem Hafen­platz Swakopmund und dem Verwaltungssitz Wiudhoek Mitte 1902 vollendet worden.*)

Auch iu Bezug auf Verbesserung der Landuugsstellen hat uoch viel zu geschehen.

Die Bedingungen, unter denen in unseren westafrikanischen Schutzgebieten Regieruugsländereieu an Private vergeben werden, sind naturgemäß mir für den Eiuzelfall festzusetzen und sind verschieden je nach der Lage des Grundstücks uud dem Zwecke, welchem es dienen soll (Plantagen oder Ackerban, Viehzucht, Bergbau, Errichtung von Gebäudeu u. s. w.). Iu Kamerun und Deutsch-Südwest­afrika siud ungeheure Distrikte der Entwickelung und Ausnutzung durch größere Gesellschaften überlassen worden.

Eine Verpachtung von Kronland ist in Deutsch-Westafrika nicht ge­bräuchlich.

Über die Entwickelung der Handelsverhältnisse wird bei den einzelnen Kolonieen näheres zu sagen sein, hier sei nur auf deu Umfcmg aufmerksam ge­macht, den speziell Deutschlauds Handel im Verkehr mit unseren westafrikanischen Kolonieen genommen hat. Es betrugen die Aussuhr von Deutschland uach Kamerun und Togo Deutsch-Südwestafrika.

1899 7371000 5033000 Mk.

1900 8483000 5148000

Einfuhr in Deutschland von

1899 3615000 166000

1900 4326000 317000 Bekanntlich ist Afrika von allen Erdteilen der bedeutcudste Abnehmer von

deutschen Spirituoseu, uud zwar steht dort gerade Westafrika durch seiuen Massenbezug vou Rum, Genever und Sprit obenan. Es handelt sich dabei fast ausschließlich um sogeuaunte Fa^onware, d. h. Ware, die aus deutschem Spiritus unter Zusatz von ätherischen Ölen hergestellt wird, eine Industrie, die fast voll­ständig der deutscheu Spiritusbrenuerei zu gute kommt. Von den 132000 bl Spirituosen im Werte von 3935000 Mk., die im Jahre 1901 von Hamburg

*) Vergl.! Gerdmg, Die Bahn SwakopnmiüdWindhoek, Mk. Z,50 mit Karte und Illnstrativnen. Wilhelm Süsserott, Verlag, Berlin.