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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
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Sklaven trieb. Die in Berlin neu gegründete Admiralität sorgte für den notwendigen Ausbau der jungen brandenbnrgischen Kriegsmarine.

Der Sitz der Handels-Gesellschaft war inzwischen von den: alten Kriegs­hafen Pillau an der Ostsee auf Rat von Raule, der als Holländer die dortigen Verhältnisse genan kannte, dnrch den Vertrag mit den ostfriesischen Ständen nach Emden verlegt worden, weil dies für die Schiffe leichter zu erreichen und dabei der Sundzoll zn sparen war. Trotz der Mißgunst der anderen Seestaaten, besonders Hollands, nnd der dadurch verursachten Schwierigkeiten hatte sich der Handel der Brandenburgischen Kompagnie in kurzer Zeit so günstig gestaltet, daß er bereits einen für jeue Zeit erheblichen Reingewinn abwarf. Im Jahre 1686 wurde der Besitz der Gesellschaft von, Staate übernommen, aber bereits 1687 begannen die offenen Feindseligkeiten der Holländer und Eugläuder in Ober­guinea, Taccarary ging verloren und nach dem im Nächstjahr erfolgten Tode Friedrich Wilhelm's gingen die brandenbnrgischen Kolonieen in gleichem Maße wie die brandenburgische Flotte zurück. Au Stelle vou Gewiuu brachte der brandeuburgische Handel au der Goldküste mehr uud mehr Verlust; 1711 hatte zwar der Köuig vou Preußen die Kolonieen als Eigentum übernommen, aber der 1713 zur Regierung gekommene Friedrich Wilhelm I. erklärte das afrikanische Kommerzienwesen alseitel Wind und Schelmerei" uud die schwierigen Zeitver­hältnisse veranlaßten ihn, am 17. Januar 1718 seine sämtlichen Besitzungen in Afrika, Neu-Brandenbnrg", für 7200 Dukaten und 12 Negerknaben, wovon 6 mit goldenen Ketten, an die Holländisch-westindische Kompagnie abzutreten. Freilich gelang es dieser erst 1721, sich Großfriedrichsburgs zu bemächtigen, dessen letzter heldenmütiger Kommandant der Negerhäuptling Jan Cuny war. In demselben Jahre, am 25. Februar 1721, wurde Arguiu, das Kapitän Wynm ebenso wacker verteidigte, von den Franzosen erobert. .

Die Reste des Nachlasses der Afrikanischen Kompagnie wurdeu 1725 iu Emden verkauft und ihre Werft uud Magaziue finden wir an der Faldern Delft daselbst noch hente fast uuverändert vor.

Lange Jahrzehnte vergingen, ehe die Deutschen neuerdings iu Westafrika festen Fuß faßten, und zwar waren, wie wir bereits gesehen haben, die ersten Pioniere eine Reihe hervorragender Forscher, deren Namen in der Entdecknngs- geschichte Asrikas einen hohen Ruf haben, nnd sodann Hamburger ünd Bremer Kaufleute, besonders das Hamburger Haus C. Woermauu, welches sich im Jahre 1852 au der Küste vou Westafrika festsetzte und eine Reihe von, Faktoreien anlegte, deren Hauptagenten in Monrovia, Kamerun und Gabun saßen. Aber der Drang, eigeue Kolonieen zu erwerben, trat erst nach der Schaffung des Deutschen Reiches hervor. Nachdem Männer wie Dr. Fabri und Hübbe-Schleiden zuerst die Aisfmersamkeit weiterer Kreise auf eine deutsche Kolonialpolitik gelenkt hatten, bildete sich ans Veranlassung des Fürsten Hermann zu Hohenlohe-Langenburg am 6. Dezember 1882 in Frankfurt a. M. derDeutsche Kolonialverein"