Print 
West-Afrika / von Moritz Schanz
Place and Date of Creation
Page
272
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

272

Zuckerrohr, von den Portugiesen aus Ostasieu eingeführt, ergiebt hier drei Tous Zucker vom Hektar, deu

Reis haben die Araber zu den Stanley-Fällen gebracht und von dort hat er sich nach Luluaburg, Baroko, Bangala, Jbembo und im Becken des Lommni verbreitet.

Manioc verspricht eines der lohnendsten Produkte zu werden.

Die erste landwirtschaftliche Versuchsstation wurde bei Boma angelegt,

1899 eine solche bei Coquilhatville nahe der Mündung des Ubangi, an einem der wichtigsten kommerziellen und agrikulturellen Plätze des mittleren Kongo, und im Jahre 1900 beschloß man die Anlage einer Musterfarm und eines Akklimati­sationsgartens in Eala, Äquatorialprovinz.

Zur stetigen Arbeit in Pflanzungen und Stationen lassen sich die meisten Kongoneger nur ungern herbei und es müssen noch heute fremde Arbeiter aus Lagos, Liberia, Sierra Leone und der Goldküste herangezogen werden.

Elfenbein, das früher meist ostwärts nach der Küste von Deutsch-Ost­afrika gebracht wurde, kommt mit der Verkehrserleichterung und dem Monopol- system der Belgier mehr und mehr kongoabwärts und stammte bislang meist von alten Beständen. Zum Schutze der noch lebenden Elefanten sind gesetzliche Be­stimmungen getroffen und ein Dekret vom 25. Juli 1889 regelt die Elefauten- jagd dahin, daß sie nur auf besondere Erlaubnis hin ausgeübt werdeu darf.

Von Mineralien sind bislang Eisen, Kupfer und Kohle entdeckt worden, doch sieht es vorläufig noch nicht so aus, als ob der Bergbau hier eine große Rolle spielen würde, obgleich es an großartigen Plänen auch nach dieser Richtung hin nicht fehlt. Besonders der Katanga-Bezirk hat inbezug auf seine Mineralschätze bald eine große Rolle gespielt, und wenn man das erhoffte Gold hier auch uicht gefunden hat, so scheinen doch Kupfer und Eisen in vortrefflicher Güte, großer Menge uud leicht ausbeutbar vorhanden zu seiu. Zur Ausnutzung dieser Natur­schätze fehlten aber bislaug zwei wesentliche Vorbedingungeu: Die nötigen Kohlen zur Verhüttung der Erze und billige Transportmittel zur Versendung der Pro­dukte. Kohlen hat mau nun kürzlich nahe der Südgrenze des Katangabezirks auf englischem Gebiet gefunden, den Absatz der Produkte solleu die ueugeplauteu Kongobahnen erleichtern und so spricht man denn bereits von Errichtung bedeu­tender Hochofen- und Hüttenwerke im Katangcibezirk. Laut einem im Jahre

1900 getroffenen Abkommen ist der Kongostaat an den Betriebskosten und Er­trägnissen der Katangagesellschaft beteiligt.

Dieherrenlosen" Länder und damit gleichzeitig auch die beiden Haupt­exportprodukte, Elfeubein uud Kautschuk, wurdeu durch eiue Verordnung vom 1. Juli 1885 als Kronbesitz erklärt, der nach dem Dekret vom 14. Juli 1886 durch den Inspektor des Grundbuchwesens verkauft oder verpachtet werden kann. Die kaum nennenswerten verschiedenen Eigentumsrechte, welche Nichteiugeboreue durch Besitznahme vor dem 1. Juli 1885 erworben hatten, wurden gleichmäßig