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West-Afrika / von Moritz Schanz
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Der Anabhängige Kongostaat.

Nachdem Henry Morton Stanley 1876/7 von Nycmgwe aus seine epochemachende Fahrt den Kongo abwärts bis zu dessen Mündung ausgeführt, hatte er seinen Landslenten, nnd speciell in zwei Sitzungen, am 2l. Oktober nnd am 21. November 1878, der Handelskammer von Manchester, mit dem ihm eigenen Reklametalent die eminente Bedeutung des Kongobeckens und dessen Entwicklnngsmöglichkeiten vorgeführt, war aber in England nnr als berühmter Forscher und nicht als beachtenswerter wirtschaftlicher Prophet behandelt worden; dagegen fand er einen wohlvorbereiteten Boden für seine Pläne in Brüssel.

Wie sein Vater, so hatte auch Köuig Leopold II., der geborene Groß- kaufmann und Leiter eines Industriestaats, sein Augenmerk schou längst auf den Erwerb belgischer Kolonieen gerichtet und bereits 1861 iu einer Schrift auf diese Notwendigkeit hingewiesen. Die bahnbrechenden Expeditionen im dunklen Erd­teil während der Jahre 186675 hatten seine Aufmerksamkeit auf das politisch damals uoch wenig beachtete Afrika gelenkt und zwar als Privatmann, da das Parlament eiu Engagement des Staates Belgien nicht zngelasfen haben würde. Um den Argwohn und die Eifersucht andrer Mächte zu vermeiden, hing der König seineil Plänen zunächst eineu wissenschaftlichen Mantel um und lud als Vertreter sämtlicher interessierten Mächte hervorragende Staatsmänner, Reisende und Geographen nach Brüssel ein, um gemeinsam zn beraten, wie Afrika planmäßig zu erforschen und zu erschließen und gleichzeitig der Sklaverei entgegenzutreten sei. Das Ergebnis dieser Konferenz war die am 15. September 1876 erfolgte Gründung der^soeia-tion Intsrna.tioua.1e ^triea.ine" mit Köuig Leopold als Präfideuten, und da der Kongolauf damals noch unbekannt war, so wählte man als Arbeitsfeld zunächst Ost-Äquatorialafrika. Die vielköpfigeAssociation" erreichte aber trotz ihrer reichen Mittel nicht das Erstrebte und Leopold II. sah dariu einen Grund mehr, auf eigene Faust vorzugehen.

Schon als Stauley im Dezember 1877 nach Enropa zurückgekommen war, hatte ihn der belgische König sofort zu sich uach Brüssel eingeladen; der ehrgeizige Stanley aber hatte damals seine eigenen Pläne, die er durch seiue Laudsleute, die Engländer, zu realisieren hoffte. In Manchester stark enttäuscht, waudte sich der berühmte Reisende an die ^.880oia.tioii Internationale ^kriea.ine, aber auch hier ohne Erfolg. Da trat er in die Dienste Leopold II.

Am 25. November 1878 konstituierte sich iu Brüssel, unabhängig von der Assoeiation und als Privataugelegeuheit des Königs behandelt, daseoinite