— 268
nach Kairo an das kongostaatliche Netz auf Kosten Deutsch-Afrikas zu sichern. Man plant zu diesem Zwecke von der Nordgrenze Rhodesias, der Wasserscheide zwischen Kongo und Sambesi aus, eine etwa 570 Km lange Bahn bis zum Kissala-See, einer Ausbuchtung des Lualaba, der von hier ab etwa 500 Km weit bis Kongola schiffbar ist; uach der 100 1cm langen Stromschnellenbahn Kongola — Kassongo folgen wieder 530 Km Schiffahrt auf dem Kongo bis Ponthierville, die weitere 100 Km lange Stromschnellenbahn Ponthierville — Stanleyville am Stanley-Pool und endlich die später zu erbauende, 775 Km lange Eisenbahn von da nach Mahagi am Albert Nyanza, wo die Verbindung mit britischem Gebiet geschaffen werden soll.
Die Belgier rivalisieren in ihren groß angelegten afrikanischen Bahnprojekten mit den Engländern, uud wir Deutschen können nur mit einem gewissen Neid auf dieses kühne Vorgehen blicken, gegen welches die Verkehrsentwickelung in unseren afrikanischen Kolonieen so kläglich absticht.
Der Telegraph erreicht von Boma ans über Matadi — Leopoldville und Equateurville bereits Nyaugwe, Katauga und den Tanganyika, die 800 Km lange Fernsprechlinie Leopoldville — Equateurville wurde im Jahre 1900 fertiggestellt.
Anschluß an das Kabelnetz besitzt der Kongostaat noch nicht, doch hat man Mitte 1902 eine Expedition zur Errichtung zweier Stationen für drahtlose Telegraphie in Banana und Ambrizette entsandt, welche als Versuchsposten für weitere Einrichtungen dienen sollen.
Die Verbindung des Kongostaates mit Europa vermitteln Dampfer der OompÄssnis IZslAs Ug.i-itim6 äu Oonxo dreiwöchentlich ab Antwerpen für 900 Francs in erster und 660 Francs in zweiter Klasse, ferner die Hamburger Wör- mann-Dampfer, die Liverpool-Liuie und die Otmrxsurs L^unis von Havre je einmal im Monat. Da von den 6 Schiffen der belgischen Linie zwei einer deutschen und vier einer englischen Rhederei gehören, so ist sie also nur nominell „belgisch."
Der fremde Handel mit dem Gebiet des heutigen Kongostaates beschränkte sich bis vor wenigen Jahrzehnten ans Sklavenhandel, und erst im Jahre 1855 wurde iu dem, auf einer schmalen Landzunge am nördlichen Mündnngsufer des Kongo gelegenen Banana die erste Faktorei von dem Pariser Hause Regis & Co. errichtet; 14 Jahre später folgten hier die Holländer, sodann die Liverpool Firma Hatton n. Cookson. Weitaus das bedeutendste kaufmännische Unternehmen war die im Jahre 1880 iu Rotterdam mit einem Kapital von 2 Millionen Guldeu gegründete Mernvs ^.krikaansebe Hanäklsvennotselmp, welche zur Zeit der Gründung des Kongostaates zwischen Majumba und Benguela nicht weniger als 58 Faktoreien besaß und ihr Haupt-Depot auch iu Banana hatte.