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West-Afrika / von Moritz Schanz
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darum, ob Belgien den Kongostaat übernehmen, oder die Rückerstattung der vorgeschossenen 31 Millionen Francs verlangen solle. Die Debatten über die Angelegenheit waren langwierig und lebhaft, schließlich verzichtete Belgien durch ein Gesetz vom 10 August 1901, um sich die Aneignungsmöglichkeit zu erhalten, zur Zeit auf die Rückzahlung und die Zinsen der dem Kongostaat geliehenen Summe, schob den Entscheid der event. Übernahme auf unbestimmte Zeit hinaus, und die vom Kougostaat eiugegangeneu finauzielleu Verpflichtungen Belgien gegen­über treten erst wieder in Kraft, wenn letzteres auf die Aneiguuug verzichtet. Die Kongo-Regierung verpflichtete sich überdies, den Kammern ein Gesetz vor­zulegen, welches die Verwaltung des Kongostaates nach dem Verordnungsgrund­satz vorschreiben soll.

Sehen wir uns .nun zunächst Land und Leute des Unabhängigen Kongo­staates etwas an, welcher trotz der Forschungen von Livingstone, Baker und Stanley, der Deutschen Wißmann, Wolf, Fran<,ois, Müller und iu der Neuzeit auch seiteus der Belgier doch vielfach noch ungenügend bekannt ist, so finden wir, daß das weite Gebiet im allgemeinen ein ebenes, nur von vereinzelten, mäßig hohen Bergzügen durchsetztes Land ist, das vom Kongo und seinen mächtigen Nebenflüssen in voller Länge durchzogen wird. Der Albert- und der Albert- Edward-, der große Tauganyika und der Moero-See bilden einen Teil der Ost­grenze, während das früher belgische Gebiet des Bangweolo 1894 ganz zu Rhodesia geschlagen wurde. Das mit einer Größe von 2 252 780 akm angegebene Gebiet zerfüllt in drei natürlich begrenzte Abschnitte, nämlich in das 2200000 ^Km große Becken des oberen und mittleren Kongo, in das nur 12 500 ^Km große Gebiet des unteren Kongo, und in die zwischen beiden liegende, 400 Km breite, gebirgige Zone der Fälle.

Der mächtige Kongo ström selbst entsteht aus dem Zusammenfluß der beiden Hauptquettflüsfe Lualaba und Luapula. Der letztere entspringt als Tschasi auf dem Hochland zwischen Nyassa und Tauganyika, nimmt später den Namen Tschambesi an und durchfließt den flachen, seine Grenzen oft und bedeutend wechselnden, 1150 m über Meereshöhe liegenden Bangweolo-See, aus dem er als Luapula wieder hervortritt; in kataraktenreichem Laufe senkt er sich zu dem 900 m ü. M. liegenden, inselreichen Moero-See, den er gleichfalls durchfließt und vereinigt sich nach einein weiteren, katarakten- uud inselreichen Lauf uuter dem 6.° südlicher Breite mit dem vou Westen kommenden Lualaba, dem anderen Quellfluß des Kongo, der etwa 1500 m ü. M. im äußersten Südwesten von Katauga eutspriugt, zahlreiche Seen durchfließt und gleichfalls großartige Fälle aufweist, wobei er iu der Katarakteustrecke um 450 m fällt. Nach seiner Vereinigung mit dem Luapula erreicht von Osten her der Luknga, der zeit­weilige Abfluß des Tauganyika, den hier Ugaraua genannten Hauptstrom, der bei der Araberstadt Nyaugwe, 530 m ü. M., eiue Breite vou 600 m und eine

Schanz, Westafrika. 17