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West-Afrika / von Moritz Schanz
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zurückgelassen, die mit knapper Not kurz vor dem Verhungern durch Oberst Willcocks am 16. Juli entsetzt wurden. Wer auch dieser kouute sich iu Kumassi uicht halten, sondern ging auf der Küsteustraße zurück und weitere Kämpfe folgten, bis Ende August der Aufstaud als niedergeschlagen gelten konnte.

Mitte 1901 verlautete, daß unter den südlich von Aschanti ansässigen Bekwai, welche im Jahre 1900 den Engländern beigestanden hatten, Unrnhen ausgebrochen seien, weil die Regierung auf Zahlung einer von den Bekwai seit 1874 schuldigen Kriegsentschädigung dringe. Dieser neue Mißgriff beweist, wie auhalteud schlecht die Goldküste, z. Z. die meistversprechende aller britischen Be­sitzungen in Westafrika überhaupt, regiert wird.

Im Herbst 1901 wurde Aschanti dem Küstengebiet angegliedert und ganz unter britisches Recht gestellt, weil dort zahlreiche Bergwerksgesellschaften Laud- und Minenrechte erworben hatten, namentlich in der an Goldquarzen reichen Gegend am Busumakwe-See, südöstlich von Kumassi. Dagegen, verbleiben die nördlich vom 8.° liegenden Nortlwru lerritoiies uuter bloßer Schutzherrschaft, die durch eineu köuiglicheu Kommissar repräsentiert wird.

Werfen wir nun zunächst einen Blick auf Land und Leute der zwischen dem Französischen Gebiet der Elfenbeinküste uud dem deutschen Togo liegenden, 187900 qkm großen Goldküsten-Kolonie, so finden wir hier eine etwa 500 Km lauge und meist sehr gleichmäßig verlaufende Küste mit mehreren hervortretenden Felsvorsprüngen, dereu südlichster das Kap der drei Spitzen ist; die Küste ist wegen der starken Brandung nur schwer, vom März bis Juni aber gar nicht zugänglich. Deu südöstlichen Teil, die Landschaften Aknapim und Krobo, durch­zieht ein ansehnlicher Gebirgszug mit den Gesundheitsstationen Aburi (405 m) uud Akropoug (420 m). Das in Terrassen nach dem Innern aufsteigende Land ist zuuächst bedeckt mit dichteu Wäldern von verschiedenen Palmenarten, Kautschukpflanzen, Seideubaumwollbäumeu u. f. w., zu deren Ausbeutung in der Landschaft Denkern sich eine englische Gesellschaft gebildet hat und in denen Scharen vou Affeu hauseu; weiter im Innern folgen Savauueu mit Herdeu vou Elefcmteu, Büffeln, Gazellen, Wildschweinen u. s. w. Von den Flüssen sind uur der Aueobra im Westen der Kolonie bis über Alanku uud im Osten der Volta bis Assuchari mit kleinen Dampfern befahrbar, die Mündungen sind aber durch Barreu verstopft uud selteu zu passieren.

Das Klima ist namentlich au der Küste sehr heiß und für die Europäer sehr uugesuud, dabei mit Ausuahme der trockueu Harmattan-Zeit, die vom November bis Februar währt, auch sehr feucht. Die Temperatur beträgt au der Küste 2632°, ^ ^ gesüudereu Gebirgeu 34° weniger.

Die mit 1^/2 Millionen angenommene Bevölkerung weist drei Haupt- gruppeu auf, uämlich zwischen dem Aneobra-Flnß und dem Busum Prah die Ahanta, östlich davou bis zum Volta die Fauti uud im Innern die Aschanti, und zwar werden dieselben unter englischer Aufsicht teils vou eigenen Königen

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