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West-Afrika / von Moritz Schanz
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aus diesem Gesamtgebiet zwei Kronkolonieen, Süd- und Nord-Nigeria genannt und unterstellte dieselben, wie die anderen, dem Kolonialminister.

So findeu wir denn an der Jahrhundertwende folgende 6 getrennte eng­lische Kolonieen mit gesonderten Lokal-Verwaltungen iu Westafrika: Gambia 10690 aM 90000 Einwohner

Sierra Leone u. Los-Inseln

71900

1100000

Goldküste

187 900

1500000

Lagos

75000

1500000

Süd-Nigeria

98000

Nord

800000

) 24000000

dazu die Jnselu

St. Helena

123

9800

Ascension

88

430

Tristan da Cunha

116

70

Rund 1244000 akm 28000000 Einwohner

Wenn demnach auch der englische Besitz in Westafrika an Umfang be­deutend geringer ist, als der französische, so hat England doch dadurch, daß es sich iu letzter Stunde noch das Nigergebiet, eins der besten Stücke ganz Afrikas sicherte, im allgemeinen den wertvolleren Teil und dichter bevölkerte Gegenden be­kommen, denn der englische Besitz weist 28 Millionen Einwohner gegen nur 18'/z Millionen in dem weit größeren französischen Gebiet auf und iusoferu ist das frauzösischeÜbergewicht" in Westafrika doch mehr ein scheinbares. So konnte denn Lord Salisbnry nach Abschluß des Teilungs-Vertrages von 1899 mit einer begreiflichen Genugthuung die satyrische Äußerung thun:Der gallische Hahn habe nur Saud erhalten, auf dem er nun uach Belieben scharren könne."

An der Spitze jeder einzelnen dieser englischen Kronkolonieen steht ein von ihr bezahlter, dem Kolonialamt in London unterstellter Gouvernenr mit einem kleinen Stab von höheren Beamten, demLxsoutive Oouneil" und einem Gesetzgebenden Rate, demI^egisla-tivs Oonnoil", welchem anßer den Obcrbeamten auch einige in der Kolonie ansässige Nichtbeamte angehören.

Den Eingeborenen hat man, uuter britischer Überwachung, uach Möglichkeit ihre eigene Verwaltung und Rechtspflege, soweit dieselben nicht zivilisierten An- schmumgen entgegenlaufen, belassen, und dies System hat sich im allgemeinen auch bewährt.

Speziell im Sndan sind die Engländer bisher bestrebt gewesen, sich mit den eingeborenen Herrschern, soweit dieselben wirkliche Macht besitzen, ins Ein­vernehmen zu setzeu, um mit deren Hilfe die sudanesischen Länder zu erschließen uud europäische Oberherrschaft dort zu begründen, während die ^rmizoseu mit diesen Herrschern ganz aufräumen wollen.