— 151 —
Was die Verwaltung der Kolonie anbetrifft, so ist dieselbe in 14 Kreise eingeteilt nnd untersteht einem Gouverneur, dem man 1899, ebenso wie den anderen französischen Kolonien in Westafrika, einen Verwaltnngsrat zur Seite gestellt hat. Ausgaben und Einnahmen halten sich die Wage, nnd zwar stammen die Haupteinuahmeu ans Zöllen, obwohl die zur Entwicklung der Kolonie nötigen Diuge, wie lebendes Vieh, Steinkohle, Wellblech, Dampfboote zc. zollfrei sind. Das Zollwesen ist laut Greuzvertrag vom 14. Juui 1898 so geregelt, daß die eiugeführteu Waren einer Verbrauchssteuer von derselben Höhe, wie in der benachbarten britischen Goldküstenkolonie unterliegen. Die erzielten Einnahmen betrugen 1893: 840000, 1898: 1260000, 1899: 1548000 und 1900: 1762000 Francs. Das Budget für 1901 balancirt mit 1908000 Fraucs uud weist als Haupteinuahmeu 1569000 Francs Konsumabgaben, 50000 Francs Ausfuhrzoll auf Rotholz uud 200000 Fraucs Einnahmen des Kong- und Buna Distrikts auf.
Sitz des Gouverneurs war früher Grand Bassam, wo man zur mühelosen Überwindung der gefährlichen Brandung 1899 uach dem Muster der älterm Anlage in Kotonu eine eiserne Landungsbrücke baute. Der Brückeubetrieb iu Graud Bassam ist an einen Unternehmer verpachtet, welcher sür einen Reisenden mit 200 Kx Gepäck bei der Landung 3^, bei der Einschiffung 4 Francs, für Waren einschließlich ihrer Bestellung am Orte 10 Francs die Tonne berechnet. Diese Brücke soll indeß nur einen zeitweiligen Behelf bilden, da später die Nehrung bei Petit Bassam durch einen Kanal von 30 m Breite, 700 m Länge und 7 m Tiefe durchstochen und die dahinter liegende Lagune von Abidjeau ausgebaggert und mit den benachbarten Laguuen verbunden werden soll, so daß dort eine schiffbare, ruhige Wasserfläche vou 2400 ^Km geschaffen wird. Diese auf 3,2 Millionen veranschlagten Arbeiten sollen in drei Iahren vollendet sein und inzwischen hat man den Verwaltungssitz vou dem sehr ungesunden Graud Bassam im Jahre 1900 bereits uach Adjame verlegt, welches den Namen Bingerville erhalten hat, während der Terminus der Bahu im nahen Abidjean verbleibt.
Im Anschluß an diese wahrhaft kühnen Erschließungsarbeiten ist man nämlich seit 1901 auch bereits mit dem Plan einer Eisenbahn beschäftigt, deren Trace ab Ende 1398 die Mission des Kapitän Houdaille feststellte und die von Abidjean — das mit Bingerville durch eiue kurze Zweigbahu verbunden wird — über Alefe zunächst in einer Länge von 200 Km nach dem kautschukreichen Bule und später über den Urwald hinaus in der Richtung nach Kong — im ganzeil etwa 550 Km — weiterführen soll. Da der dabei in einer Breite von 100 m zu durchschlagende Urwald reich an wertvollen Hölzern ist, so werden die Kosten des Bahnbaues, die man auf 60—80000 Fraucs pro Km schätzt, durch die Ge- wiuuuug vou solcheu Hölzeru zum Teil gedeckt werden. Die Konzession einer Bahn nach dem Hinterland war im Jahre 1901 einem belgischen Unternehmer verweigert worden, die Bahnfrage dürfte aber anch hier nicht lange ruhen. Eiust- weileu erreicheu die Franzosen auf Gruud eines Abkommens mit England das Hinterland ihrer Kolonie, namentlich die Landschaft Kong, auf dem Wasserwege