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Zuckerpflanzungen sind heute von geringerer Bedeutung, obgleich das Rohr hier in günstigen Jahren schon in einem Jahre reift und ein Hektar Zuckerrohr 5000 Liter Branntwein liefert. Die Jahresproduktion beläuft sich jetzt auf etwa 10000 Faß 5 150 Liter Rum.
Ein sehr schwieriges Problem bildet auch hier die Arbeiterfrage.
Nach Aufhebung der Sklaverei begann man Arbeitskräfte aus Sierra Leone, Liberia und Novo Redondo, dem alten Sklavenmarkt in Angola, heranzuziehen; 1885 schloß man einen Kontrakt mit dem König von Dahome, welcher den Portugiesen vou diesen angeblich „freigekaufte" Kriegsgefangene lieferte, auf gut deutsch gesagt, Sklaven verkaufte; 1895 führte man auch 300 Chinesen ein, welche sich aber garnicht bewährten und so gewann man denn zwischen den Jahren 1880 und Ende 1897 im ganzen 28 670 Arbeiter.
Den Kakaopflanzungen liefert das Gouvernement Arbeiter auf 5 Jahre, nach deren Ablauf der Vertrag stillschweigend verlängert wird. Es handelt sich dabei meist um Leute aus dem Jnuern von Angola, angeblich Übelthäter, die von den Häuptlingen zur Sklaverei verurteilt sind, in der That aber überall da genommen werden, wo man sie kriegen kann, von den portugiesischen Behörden in Benguela und Dondo zu „freien Männern" erklärt und dann als „s'knts eontra.tÄäa« verschifft werden. Diese Leute sind also nichts weiter, als regelrechte Sklaven, welche im Jahre 1900 mit 130 bis 140 Milreis bezahlt wurden. Die meist der Branntweinpest ergebenen Arbeiter haben auf den Plantagen täglich 10 Stunden zu arbeiten, nämlich von K bis 6 mit 2 Stuudeu Mittagspause zwischen 11 und 1 und haben nur den Sonntag Nachmittag frei. Dafür bekommen sie einen nominellen Jahreslohn von etwa 100 Mark, der ihnen aber nicht in Bar, sondern in Stoffen und Branntwein ausgezahlt wird. Da die Beschaffung von Arbeitern auch in Angola wegen der letzthin vorgekommenen argen Ausschreitungen bei der Auwerbuug schwieriger geworden ist, so gedenkt man sich jetzt uach Portugiesisch-Guiuea zu wenden, wo brauchbares Arbeiterpersonal bei Reisbeköstigung und einem Tagelohn von 100 Reis für Männer und 80 Reis für Frauen vorhaudeu ist.
An die Betrachtung des portugiesischen Kolonialbesitzes schließt sich am besten diejenige der spanischen Besitzungen in Westafrika an.