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Anbau von Kakao, durch Dr. Matheus Augusto Ribeiro (1872—88) eingeführt, gaben vorzügliche Resultate und die Kolonie trägt heutigen Tages die Spesen für ihre Verwaltung selbst.
Für öffentliche Bauten geschieht auch hier allerdings nur sehr wenig, die Wege siud schlecht und das Schulweseu ist ungenügend; es existieren in der Kolonie nur 4 Lehrer und 3 Lehrerinnen und außerdem erteilen 5 Geistliche gegen staatliche Vergütung Elementarunterricht.
S. Thoms gehört zu einer Reihe von vulkanischen Inseln, die sich vom Kamerunberg aus bis Annobom hinziehen, besteht aus Basalteu und Laven, erreicht im Pico de S. Thoms die Höhe von 2142 m und fällt nach allen Seiten hin steil zur Küste ab, der verschiedene kleine Felseilande vorgelagert sind. Außer den höchsten Spitzen bedeckt üppiger Wald fast das ganze Land und nur die niedrigen Laudschafteu sind angebaut, namentlich mit Kakao, Kaffee, Chinarinde, Pfeffer, Zimmt, Mais, Mcmioc, Indigo, Kola u. s. w., bislang ist aber kaum ein Fünftel der Oberfläche, namentlich im Nordosten der Insel, ausgenutzt. Verschiedene zahme Tiere haben hier große Neigung zu verwildern; besonders Haushühner, Schweine und Ziegen werden vielfach wild angetroffen. Das Klima ist auf deu Höheu für Europäer zuträglich, iu den unteren Teilen aber ungesund. Die Bevölkerung, im Jahre 1878 nur 18000, wird heute mit 60000 angenommen; darunter sind 5000 Europäer einschließlich der portugiesischen Deportierten und 1000 Chinesen, 1500 „Angolares", die abgesondert im Westen der Insel leben, etwa 15000 sogenannte Eingeborene, Abkömmlinge von befreiten Sklaven und portugiesischen Mulatten, welche eiu portugiesisches Patois sprecheu, der Rest Augola-, Kabiuda-, Kru- und Sierra Leone-Neger.
Um die Erforschung der Insel haben sich besonders Deutsche verdient gemacht, so Carl Weiß 1847, Dohrn 1865, R. Greef 1875 und Adolf Möller 1885.
Die Hauptstadt der Insel, die Cidade de S. Thoms, liegt an der Nordostküste an der Bai Anna de Chaves, hat einen wohlgeschützten kleinen Hafen, ist Sitz des Gouverneurs vou S. Thoms und Principe, eines Bischofs und einer Garnison und wird durch Kabel mit Gabuu uud Porto Novo verbunden. Die Kolonie seudet zwei Abgeordnete in die Lissaboner Cortes.
Die etwas nordwestlich von hier gelegene, weit kleinere Insel Principe, bis 825 m hoch, fruchtbar, aber uugesuud, wurde uach Aufhebung der Sklaverei fast gauz verlasseu uud beginnt sich erst seit 1878 wieder zu erholeu. Im Jahre 1892 wurde die Aussuhr von Waren nach den benachbarten Inseln und dem afrikanischen Festlaud freigegeben, ebenso die Einfuhr portugiesischer Wareu mit Ausuahme vou Spirituosen und Tabak. Um die Kultivierung der Insel zu fördern, wurde 1893 der Oomxg-nlüa. äa. Ilda. äc> ?rineixs der Anbau von Staatsland im füdlicheu Teile der Insel unter günstigen Bedingungen gestattet;