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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
Seite
67
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Die Kap Verdischen Inseln.

Diese damals scheinbar unbewohnte Inselgruppe wurde 1441 vou den Gennesen Autouio uud Bartolomeo die Nolli entdeckt und für Portugal iu Be­sitz genommen, 1456 vou dem gleichfalls in portugiesischen Dieusteu steheudeu Veuetiauer Cadamosto besucht uud 1461 mit Ausiedleru besetzt, doch folgteu diesen nnr wenige Portugiesen nach und man führte dann, um Arbeitskräfte zu schaffen, Negersklaven eiu. Mit deu benachbarten kleinen und ungesunden Besitzungen au der Guiueaküste zusammen bildeten diese Inseln bis zum Jahre 1895 eiue Proviuz, welche seit 1592 durch eigeue Gouverneure verwaltet und zum größten Teil an hochgestellte Personen als Lehen vergeben wurde. Erst Ende des 17. Jahr­hunderts wurde die Verwaltung wieder ganz von der Regierung überuommeu und nur das Handelsmonopol nunmehr privilegierten Gesellschaften übertragen. Heutigen Tages kommen die Inseln hauptsächlich als Stützpunkte des Verkehrs zwischen Europa uud Südamerika iu Betracht.

Die 560 Km westlich vom Grüuen Vorgebirge liegende Grnppe umfaßt uebeu ewigen Felseneilanden 9 bewohnte Inseln, welche durch tiefe und sichere Kanäle von einander getrennt, aber teilweise schwer zugänglich siud; die nord­westliche Gruppe umfaßt S. Autao mit 18000, S. Vicente 7000, S.Nicolao 8800, Boavista 3000 und Sal mit 1000 Eiuwohneru, die südöstliche: S. Thiago mit 45000, Maio 1800. Fogo 16000 und Brava mit 9000 Einwohnern. Die hohen vulkanischen Inseln erreichen in dem noch thätigen Pico de Fogo, dessen Ausbruch im Jahre 1847 große Strecken von Kulturland zerstörte, eine Höhe von 2970 m. Das Klima ist heiß uud uugesuud, besonders nach dem von August bis Oktober anhaltenden Winterregen. Die hiesige Flora nimmt eine Mittelstellung zwischen der atlantischen nnd senegambischen ein. Zusammen­hängende, größere Wälder fehlen heutigen Tages, nachdem die früher vorhandenen rücksichtslos ausgerottet wurdeu; mau trifft jetzt uur auf vereinzelt angepflanzte Cocos- und Dattelpalmeuhaiue, sowie Kaffeeplantagen und Fruchtbäume. Der Aub au erstreckt sich auf die Kulturgewächse der heißeu Zoue, Reis, Mais, Hirse, Zuckerrohr, Tabak u. s. w., ist aber durch uugünstige Bodenverhältnisse aus ver- hältuismäßig kleine Strecken beschränkt und wird überdies nicht selten durch Dürre uud Heuschreckeu vernichtet. Lange Zeit bildete Orseille das Hanpt- ausfnhrprodukt und auch mit Kakao hat man seit 1845 hier Versuche augestellt. Die Küsteu siud reich au Fischeu uud die Ausbeute von Salz auf Boavista uud Sal ist bedeutend und liefert nennenswerte Exportmengen.

Von der im Jahre 1885 mit 110000 Seelen angegebenen Bevölkerung sind nur 5°/^ Nachkommen der im 15. Jahrhundert eingewanderten Portugiesen,

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