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Man baut den Wein auf der Südseite der Insel an Holzwänden oder Hürden aus Schilf, auf der Nordseite dagegeu wird die Rebe an Kastanienbäumen in die Höhe geleitet.
Das Land selbst ist Eigentum weniger Großgrundbesitzer, die dasselbe gegen eiu Viertel oder die Hälfte des Ertrags an Pächter zu freier Verfügung überlassen haben.
Die Industrie der Insel beschränkt sich auf Zucker-, Tabak-und Zigarrenfabrikation. Handstickerei, Holzarbeiten uud Stroh- uud Weideugeflechte, die im Ausland Absatz finden.
Der hauptsächlich in englischen Händen liegende Handel ist im Stillstand begriffen, der Schiffsverkehr aber durch deu gesteigerten Wettbewerb der europäischen Nationen um Westasrika im ständigen Wachsen, da eine Niederlage für englische Kohlen in Funchal besteht, der an der Südseite der Insel liegenden Hauptstadt, welche Handel und Schiffahrt hier überhaupt monopolisiert.
Das 20000 Einwohner zählende Funchal mit seinen weißgetünchten Häusern von totem und tristem Charakter erstreckt sich an: Rande einer weiten, hufeisenförmigen Bucht, die starker Dünuug ausgesetzt ist und in die sich einst ein gewaltiger Lavastrom ergossen hat. Ochsen befördern den Besucher mittels so- geuauuter „Stierschlitten" auf deu mit spitzen Basältsteiuen gepflasterten, steilen Straßen der Stadt bis zu deu Höhenrücken mit ihren freundlichen „Quintas", Landhäusern, von denen aus man einen herrlichen Blick auf Funchal und das Meer geuießt. Reitpferde, Maultiere, Esel nud Häugematteu bilden die sonstigen Beförderungsmittel auf der Jusel.