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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
Seite
64
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Madeira.

Diese Insel soll schon durch die Phöuiker entdeckt worden sein, jedenfalls aber war sie bereits im frühen Mittelalter den Portugiesen bekannt, welche uuter Genueser Kapitänen Fahrteu uach hier machten, und sie erscheint auf eiuer florentiner Karte vom Jahre 1351 als Jsola di legname, d. h. Holzinsel, also unter derselben Bezeichnung wie das portugiesische Wort dafür, Jlhci de Madeira. Eiu Sturm verschlug im Jahre 1419 zwei Portugiesen an die von ihnen aus Dankbarkeit Porto Santo genannte Insel, im nächsten Jahre nahm Portugal Besitz von der bis dahin unbewohnten Gruppe, in welcher man die Atlantis der Alten wiedergefunden zu haben glaubte uud saudte Kolonisten dahin. Mit Portugal zusammen stand auch Madeira während der Jahre 1580 bis 1640 uuter spanischer Herrschaft und war 1801 und abermals 180714 von den Engländer» besetzt. Seitdem ist es im unbestrittenen Besitz Portugals ge­blieben und bildet mit deu umliegenden Inseln zusammen eiue Provinz dieses Königreichs, au bereu Spitze eiu Gouverneur mit einer Abteilung Infanterie uud Artillerie steht und welche durch Abgeordnete in den Cortes voll Lissabon vertreten ist.

Madeira liegt 415 Km nordwestlich vom Kap Juby, dem nächsten Punkte der afrikauischeu Festlandsküste entfernt, umfaßt mit deu zugehörige:! Eilanden zusammen 815 okm und ist vulkanischen Ursprungs. Die Hauptiusel ist vou Ost nach West 55 Km laug uud 24 Km breit uud wird iu ihrer gauzeu Läuge von einer Gebirgskette durchzöge«, deren Durchschnittshöhe etwas über 800 m beträgt. Im Osten der Insel, wo die Bergmassen 1200 m überschreiten, breitet sich ein 15 Km im Umfang messendes, mooriges Plateau, Paul da Serra aus, vou steileu Klippen begrenzt. Westlich davon erhebt sich der höchste Berg der Insel, der Pico Ruivo (1860 m) am Rande des 500 m tief eingeschnittenen Cural das Freiras, eiues uugeheureu, kreisförmigen Beckens, das vielleicht die Stelle des alten Kraters einnimmt. Das in zackigen Hörnern aus üppigem Grün empor­starrende Bergland wird von tiefen und weiten Schluchten zerrissen, welche den Verkehr sehr erschweren und fällt zum Meere iu steileu, bis 585 m hoheu Klippeu ab. Vou außerordentlicher Wildheit ist namentlich die Nordostküste, wo vor der weit hinausragenden Halbinsel S. Lourenzo die Jusel Fora mit Leuchtturm liegt. Madeira uud seiue Nebeuiuselu, alte längst erloschene Krater, erscheinen mit den Azoren, Kcmaren und Kapverden zusammen als die Trümmer eines alten Erdteils, der sich von Island aus hiuzieheud, Europa eiust mit Afrika verband.