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West-Afrika / von Moritz Schanz
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Das Klima Madeiras ist gesund, die mittlere Jahrestemperatur 18°, die Regenmenge in Funchal 74 em iu 80 Regeutagen und zwar sind die feuchtesten Monate November bis März. Auch Schnee fällt hier im Winter, doch nur in Höhen über 800 m. Ein heißer, trockener Wüstenwind aus der Sahara,Leste", die Ostluft, genannt, tritt zuweilen auf und wird auch durch den roten Staub lästig, deu er mit sich führt, doch ist er im Sommer selten.

Die Vegetation Madeiras ist derjenigen der Kanaren am ähnlichsten. Der Süden hat noch schwache Reste der dichten Waldungen bewahrt, welche der Insel den Namen gaben und einst die ganze Insel bedeckten, durch deu Leichtsinn des ersten Kolonisators Gon^alves Zarco aber fast gänzlich eingeäschert wurden in eiuem furchtbaren Brande, welcher sieben Jahre währte. Neben südeuropäischen Kulturgewächsen gedeihen hier auch die meisten tropischen, wie Zuckerrohr, Ba­nanen und zahlreiche cmdere tropische Früchte; Palmen dagegen fehlen. Charakte­ristisch für Madeira ist der auch auf den Kanaren herrschende Drachenbaum vraeaeua vraeo in der immergrünen Region der Lorbeerbäume, über welcher sich eine Maquis - Regiou mit vorherrschender Baumhaide (Nriea ai-vorsa) hinzieht.

Die mit 134000 Seelen angegebene Bevölkerung der Insel, welche fast nur den Südrand der Insel bewohnt, während das Innere menschenleer, ist portugiesischer Abkunft, aber in den unteren Schichten durch Mauren, als Sklaven eingeführte Neger, Italiener und Juden stark beeinflußt. Sie nimmt trotz starker Kindersterblichkeit und verderblicher Krankheiten fortwährend zu und ist deshalb, da das arme Land wenig Hilfsquellen bietet, zur Auswanderung gezwungen, welche sich uach Brasilien, Britisch Guiana, Hawai und der Kapkolonie gerichtet hat. Der Schulbesuch ist auf der Jusel obligatorisch. Iu neuester Zeit haben viele Fremde, namentlich Engländer, die Insel ihres für Lungenkranke so wohl­thätigen Klimas halber zum Wohnsitz gewählt.

Hauptbeschäftigung bildet der Ackerbau, der allerdings in dem außer­ordentlich zerklüfteten Gelände mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen und die Aulage von Terrassen und bewundernswerten Bewässeruugskauäleu uötig gemacht hat, welch' letztere oft in Tunnels durch die Berge führen. Gebaut wird in erster Linie das 1452 eingeführte Zuckerrohr, woraus auch viel Rum bereitet wird, sodann Weizen, Mais und Gerste, allerdings nicht genügend für den Be­darf, Früchte, Frühgemüse uud Tabak. Das bekannteste Produkt der Insel aber ist der schon im Jahre 1421 ans Cypern oder Kreta eingeführte Wein, der frühzeitig einen großen Ruf erlangte und durchschnittlich eine jährliche Ausfuhr vou 120000 nl ergab. Leider erschien im Jahre 1853 die Traubenkrankheit, 1873 auch die Reblaus auf der Jusel und der dortige Weinbau wurde beinahe gänzlich vernichtet. Freilich wurde der einmal in Mode gekommeneMadeira" dank des hilfsbereiten Eintretens geschickter Weinfabrikanten in der ganzen Welt weiter getruukeu, und seit einiger Zeit gewinnt man auch auf Madeira wieder aus heimischen Pfropfreisern auf amerikanischen Stecklingen jährlich etwa 20000 Iil.

Schanz, Wcstafrika- h