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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
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Ein großer Nachteil für das Aufblühen des Landbaus ist die Latifnndien- wirtschaft, wobei die Eigentümer ihre Wohnsitze oft gar nicht in der Kolonie haben. Nur in der Provinz Mossamedes werden seitens der Regierung nicht mehr als 50 Im an eine Person veräußert.

Im Jahre 1901 hat sich unter dein Titel ^omps-ulii^ ^g-rieola, La-n^o mit einem Kapital von 225 Contos in der Provinz Loanda auch eine deutsch- portugiesische Gesellschaft gebildet, welche auf bislang deutschen Pflanzungen Kakao, Kantschuk, Zuckerrohr, Kaffee und Tabak ziehen will.

Im Jahre 1901 ist in Angola eine ziemlich schwere wirtschaftliche Krisis ausgebrochen, deren Grüude mauuigfach siud. Einesteils ermöglichen die hohen portugiesischen Einfuhrzölle dem inneren Kongogebiet eine sehr erfolgreiche Kon­kurrenz anf Kosteu des früher blüheudeu portugiesischen Handels; die Preise für Kaffee, eins der wichtigsten Produkte der Kolonie, sind seit Jahren ungenügend, und dazu tritt ferner die Krisis in der Zucker- uud Zuckerschnaps-Fabrikation, besonders uachdem durch deu Beitritt zu den Bestimmungen der Brüsseler Kon­ferenz der Verkauf von Zuckerschnaps au Schwarze, wenn anch nicht ganz unter­sagt, so doch durch die auferlegte Preissteigerung sehr eingeschränkt worden ist. Gerade die Schnapsfabrikation aber hatte sich hier zu einer bedeutenden uud lohnenden Industrie entwickelt.

Die Regierung ist denu auch den Wünschen der Zuckerrohrbauer entgegen gekommen uud hat im September 1901 bestimmt, daß der Zucker von Angola und Mozambik bis zu einem Quantum vou jährlich je 6000 Tons bei seiner Einfuhr in Portugal auf weitere 15 Jahre eiue Zollermäßigung von 50°/ ge­nießt und alle für Zuckerfabrikation bestimmte:: Maschiueu u. s. w. iu deu Kolonien zollfrei eingehen; ferner soll bei der Ausfuhr vou Alkohol die Pro- duktioussteuer zurückvergütet uud keiu Ausfuhrzoll darauf erhobeu werden.

Gleichzeitig wurdeu, um auch deu Baumwollbau wieder zu bebeu,fol­gende Erleichterungen für diesen geschaffen: Alle in Angola produzierte Baum­wolle ist für 15 Jahre vou jedem Ausfuhrzoll dort uud vou allem Einfuhrzoll iu Portugal befreit. Jeder Pflauzer, der mehr als 5000 I<K erutet uud aus­führt, erhält eiue Prämie von 1,30 Mark für jede 100 Icg-. Alle für Baum­wollbau uötigeu Sämereien, Instrumente und Maschinen sind für 15 Jahre in Angola zollfrei, die wirtschaftliche uud industrielle Ausnutzung der Baumwolle außerdem steuerfrei.

Es erübrigt uoch, ciueu Blick auf die am 14. Mai 1894 überwiegeud mit französischem Kapital gegründete Oomiianliia. cle NossamsÄes zn werfen, von deren Thätigkeit mau sich eiue besondere Förderung der Kolonie ver­sprach.

Diese Gesellschaft, welche in der Provinz Mossamedes eine Landkonzession im Umfang von 20336000 Im besitzt, organisierte bald nach ihrer Gründung eine