— 60 —
aber gesunder Umgebung liegende Mossamedes unter seinen 5000 Einwohnern gegen 2000 Weiße zählt, darunter eine blühende und gedeihende vierte Generation von Europäern, wozu auch im Hinterlande noch eine Anzahl weißer Viehzüchter uud Ackerbauer trete«. Ju dein etwas weiter nach Süden zu liegenden Porto Alexandre leben etwa 300 Weiße, portugiesische Fischer ans der Provinz Algarve und 400 „kontrahierte" Schwarze, welche auf den Sklavenmürkten von Benguela und Novo Redondo ü 400—500 Mark gekauft werdeu. Der Hafeu verscmdte im Jahre 1895 2250 Tous gesalzeuer uud getrockneter Fische, die an der ganzen westafrikanischen Küste Käufer fiuden und gilt als der einzig mögliche Ausgangspunkt für die geplante Bahn nach Humbe. Gntes Trinkwasser hat Porto Alexandre allerdings ebensowenig wie der südlichste Hafen Angolas, die gleichfalls fischreiche Tiger- oder Große Fisch-Bai, an deren sonst ganz unbewohnten Ufern uur etwa 100 Fischer ihr Lebeu fristeu, welche im Jahre 1895 eiueu Export von 750 Tons erzielten; amerikanische Boote betreiben in der Nähe auch deu Walfischfang. Wohl uur aus Furcht vor deutschen Annexionsgelüsten ist in der Tigerbai ständig ein portugiesisches Kriegsschiff stationiert, obgleich jetzt festgestellt ist, daß diese Bucht für die Seeschiffahrt unbrauchbar ist.
Vou Industrien innerhalb der Kolonie sind außer den bereits erwähnten nur noch Branntwein- nnd Ziegelbrennerei, Cignrreufabrikation und Matteuflechteu ueuueuswert, weit wichtiger aber ist die
Plantagenwirtschaft, deren vornehmstes Produkt der Kaffee ist. Die reichsten Pflanzungen davon befinden sich in dem Thal des Lukalla, doch wächst der Kaffeebaum auch wild und die Eingeborenen haben nichts weiter zu thuu, als das Gestrüpp um den Bäumen hernm zu entfernen. Freilich sind die Preise für den Artikel in den letzten Jahren so sehr zurückgegangen, daß es sich kaum uoch lohut, ihn zu eruten uud an die Küste zn bringen.
Auf Anpflanzung von Zuckerrohr hat mau besonders seit 1892 viel Kapital uud Arbeit verwandt nnd zwar liegen die meisten dieser Pflanzungen an der Küste; iu Mossamedes ist fast alles verwendbare Land dafür benutzt, besonders auch in der Schella-Kette und in den Thälern des Coroca, Bera, Giraul und S. Nicol-W. Das Zuckerrohr wird fast ausschließlich zur Herstellung von Branntwein verwandt, wozu man im Innern übrigens auch die Bataten benutzt, und während der Schnaps bis zum Jahre 1895 fast ganz von Hamburg kam, sorgt die Kolonie jetzt selbst für diesen „Genuß."
Baumwolle gedeiht sehr gut in den Thälern des Knbango und des Sambesi ohne jede Pflege, doch ist die Ausfuhr dieses Produktes von 817 000 im Jahre 1872 auf 133 000 K^- in 1892 zurückgegangen, ohne daß ein stärkerer inländischer Verbrauch eingetreten wäre.
Tabak von guter Qualität wird in kleinen Mengen gepflanzt uud ist vorübergehend auch schou exportiert worden. Mit Anpflanzung von Kautschuk- und Kakao-Bäumen hat man letzthin gleichfalls begonnen.