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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
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Doch hat sich die Lritisb Lontli Atrien. <Ü0mp^ der deutschen Regierung gegen­über verpflichtet, erst dann nördlich des 14.° eine Bahn von Rhodesia, bezw. Betschuanalcind aus uach der Westküste zu bauen, wenn eine Bahn südlich des 14.", Deutsch-Südwestafrika durchschneidend, fertiggestellt sein wird.

Im Portugiesischen Kongo ist seit dem Jahre 1900 eine Bahn zwischen Kabinda uud dem Schiloango geplant, doch werden vermutlich alle diese Bahu-Bauten und Projekte nach wie vor nur sehr laugsam realisiert werdeu.

Die Länge der Telegraphenlinien, welche sich im Innern verzweigen und die dortigeu Pslauzuugeu mit deu Häfen verbinden, betrng l899: 1299 Km.

Loanda, Benguela uud Mossamedes siud au das euglische Kabelnetz cmgeschlossen und dadurch seit 1884 mit Lissabou, seit 1885 mit Kapstadt ver­bunden.

Der Postdienst ist zuverlässig und gut geregelt.

Der gesamte fremde Handel der Kolonie wertete in den Jahren 1871: 3736, 1881: 4108, 1891: 7120 Contosund wies seitdem folgende Zahlen auf iu

1896. 1897. 1898. 1899. Einfuhr 10,3 15,2 20 21,5 Millionen Mark.

Ausfuhr 13,8 19,7 23,7 24

Die Ausfuhr besteht besonders in Kautschuk, Kaffee, Wachs und Kopal, etwas Elfenbein, Baumwolle, Palmöl uud Palmkernen. Der Ausfuhrzoll beträgt 3°/y nach portugiesischen, 15°/g nach fremden Häfen. Das wichtigste Ausfuhr- prodnkt ist jetzt Kautschuk, der erst seit 1870 in größeren Mengen ausgeführt uud vou deu Eingeborenen, die ihn gegen Rum eiutauscheu, durch Raubbau ge­wonnen wird. Das wertvolle Produkt kommt in Loanda, Novo Redondo, besonders aber in Benguela zur Ausfuhr. In jüngster Zeit haben sich belgische Kapitalisten auch den voraussichtlich kautschukreicheu Gebieten am Kuango zu­gewandt und damit werden vielleicht Landschaften des Innern wirtschaftlich erschlossen, dereu reeller Wert für die Portugiesen bislang ein sehr ge­ringer war.

Die Einfuhr weist besonders Banmwollstoffe, Pulver, Konserven und Wein auf. Durch die starken Schutzzölle begünstigt, hat der portugiesische Handel in den letzten Jahren derart zugenommen, daß heutigen Tages über die Hälfte aller eiugeführten Waren aus Portugal kommt. Am meisten haben unter dieser Gesetzgebung vou t892 England und Deutschland gelitten. England beherrschte früher deu Augola-Markt mit seiuen billigen Kattunen; jetzt werdeu ^ dieses Kousnms vou Portugiesischen Fabriken gedeckt, die unter dem hohen Zollschntz im Mutterland errichtet wurden. Deutschland hatte früher in Angola einen be­deutenden Absatz von Sprit; die Eingangszölle daranf wurden aber nach und nach so erhöht, daß in Angola eine große Zahl Zuckerrohrpflanzungeu entstand,