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West-Afrika / von Moritz Schanz
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sind bei Kambambe an: Koanza in der Nähe von Donde und bei Novo Re- dondo entdeckt worden, doch werden die Lager nicht abgebaut. Ebenso geht es den Blei-, Schwefel- und Salpeter-Lagern. Gold wird in Libello, sowie im oberen Gebiet des Kunene im Flnßsand und Quarz gefuuden, doch unter­drücken die Behörden die Berichte über alle gemachten Funde, weil sie fürchten, das Bekanntwerden derselben würde zahlreiche Fremde ins Land ziehen und deren Einfluß ungebührlich stärken. Salz, ein bedeutender Artikel im Tausch­handel, wird bei Loanda und Mosfamedes aus dem Seewafser gewonnen und kommt als Steinsalz in großen Lagern am Koanza und am Karoko vor. Auch Erdöl wird in der Kolonie selbst gewonnen, doch werden alle diese Bodenschätze teils wenig rationell, teils garnicht ausgebeutet uud uur die Kupfergruben von Bembe liesern z. Z. Ergebnisse von einigen: Wert.

Was die Verwaltung anbetrifft, so steht an der Spitze der Kolonie ein in Loanda residierender Generalgouverneur, welcher die Civil- und Militärgewalt in seiner Hand vereint und dem ein aus den obersten Be­amten gebildeter Coneelho de Governo zur Seite steht. Die Kolonie zerfällt in die 5 Distrikte Kabinda mit dem Kongo-Bezirk, Loanda, Benguela, Mossa- medes uud Hnilla, letzterer erst im September 1901 von Mossamedes als besonderer Bezirk abgetrennt, der in Anbetracht seiner internationalen und kommerziellen Beziehungen und als Hinterland der beiden letzthin viel be­sprochenen Häfen von Porto Alexandre und der Tiger-Bai wichtig ist. In jeder Provinz finden wir einen Gouverneur mit einem Coneelho de Provincia, in welchem auch je 2 Kolonisten sitzen. Jede Provinz zerfällt wieder in eine Allzahl Verwaltungskreise, Concelhos; in Loanda besteht ein Apellationshos, dem die Gerichtshöfe von Loanda, Benguela, Mosfamedes, Ambaca und S. Thomö unterstehen und gegen die Entscheidungen dieses Apellationsgerichts kann Berufung bei dem Obersten Gerichtshof in Lissabon eingelegt werden. Die Kolonie entsendet cmch einige Abgeordnete in die Lissaboner Cortes.

Zur Sicherung ihres Einflusses und zum Eintreiben der Abgaben hat die portugiesische Regierung eine Anzahl Posten im Lande angelegt. Das etwa 3000 Mann zählende, über die ganze Provinz verteilte Militär be­steht, abgesehen von einer Abteilung Dragonern in Mossamedes, aus Depor­tierten, Negern und Mnlntten unter ehemaligen portugiesischen Unteroffizieren und ist ebenso schlecht bezahlt, undiscipliniert, corrumviert, unerfahren und unzuverlässig, wie die Polizei. Die alten verfallenen Forts von Ambriz, Loanda, Benguela und Mossamedes sind mit ganz unbrauchbaren Geschützen armiert.

Die Hospitäler sind durchweg praktisch und schöu angelegt, namentlich zeichnen sich diejenigen in Loanda und in Bengnela durch ihre Zweckmäßigkeit aus; dagegen stehen die Leistungen der portugiesischen Ärzte leider uicht ans gleicher Höhe.