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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
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In der Kolonie am Casamauce wird nur ein sehr geringer Einfuhrzoll erhoben, die Händler werden dort freundlich empfangen und sicher in die Handelsplätze geleitet und die Kaufleute von Portugiesisch-Guinea können demgegenüber nur dadurch das Feld behaupten, daß sie ihre Stationen immer weiter uach dem Innern vorschieben. Zwar hat die portugiesische Verwaltung hier im Jahre 1892 die Eingangszölle ganz aufgehoben, aber auch diese Maßregel vermochte den Handel nur vorübergehend zu heben. Die Einsuhr war 1891 mit 95000, 1897 mit 333000 Milreis, die Aus­suhr in den gleichen Jahren mit 43000 und 145000 Milreis angegeben, und zwar liegt der Handel zum großen Teile, die Ausfuhr fast ganz in deutscheu und französischen Händen und deutsche Kaufleute genießen auch bei den Eingeborenen das größte Ansehen. Der Haupthandelsplatz ist heute Bissao, welches 1899 eine Einsuhr vou 853000 und eine Aussuhr von 280000 Mil­reis auswies und davou entfielen je 200000 Milreis allein aus eine deutsche Firma. Bissao hat einmal monatlich Dampserverbindung mit Portugal.

Auch für Plantagenbetrieb würde das fruchtbare Land gewiß gute Aussichten bieten, wenn die eingeborene Bevölkerung nicht so wenig Sinn für geregelte Arbeit zeigte. Die Eingeborenen verdingen sich teils während der Erntezeit, andere bewirtschaften Pachtungen uuter folgendeu Bedingungen: Der Land-Besitzer oder dessen Vertreter mietet die Arbeiter uud liefert diesen die nötigen Sämereien uud den Lebensunterhalt bis zur Ernte, aus welcher zunächst die empfangenen Vorschüsse zurückerstattet werden; der Rest oder zum mindesten ein Teil desselben muß vertragsmäßig an den Landbesitzer verkauft werden. Dieses System hatte dem Anbau der Erdnuß zu eiuer gewissen Entwickelung verholfeu, die aber durch die häufigen Kriege unter den Eiugeboreneu wieder aufgehoben wurde. Auch Zuckerrohr und Tabak werden mit Erfolg kultiviert.

Die größeren Plantagen-Gesellschaften, wie die 1899 in Antwerpen mit 2 Millionen Francs gegründete französisch-belgische Loeiötk eolomale pm-tn- A'aise, welche in die Rechte älterer portugiesischer Besitzer eintrat uud 50000 lur Laud erwarb, die Lompa^uis äs 1a (?uiiwe ^orrnA-aist?, und andere französisch-belgische Gesellschaften erblicken bislang ihre Hauptaufgabe scheinbar iu Börseumauövern, anstatt etwas für Erschließung des Landes zn leisten.

Daß die Portugiesen diesen Besitz auf die Dauer halten sollten, scheint recht unwahrscheinlich, und wenn nicht der deutsch-englische Geheimvertrag von 1898 oder der im Jahre 1900 proklamierte Alliauzvertrag zwischen England und Portugal bereits anderweit darüber bestimmten, so sind die Franzosen hier die gegebenen Nachfolger Portugals.

Ihre festeste Stelluug an der afrikanischen Westküste haben die Portu­giesen von Aufaug an iu dem nuu zu besprecheudeu Angola gebabt.