portugiesisch Guinea.
Diese vom Mutterlande bislang sehr wenig beachtete Kolonie nahm ihren Anfang als solche dadurch, daß die Portugiesen hier im Jahre 1610 vou dem König von Guinala die Insel Bolama erwarben, allerdings nicht dauernd besetzten, sodaß auf Grund einzelner englischer Ansiedlungen, welche schon einmal hier 1792 stattgefunden hatten und im Jahre 1860, trotz portugiesischer Proteste, von Sierra Leone aus wiederholt worden waren, England Besitzansprüche auf die Insel erheben konnte, die jedoch im Jahre 1870 durch Schiedsspruch des Präsidenten der Vereinigten Staaten zn Gunsten Portugals abgewiesen wurden. Am 12. Mai 1886 vereinbarte ein Vertrag mit Frankreich die Abgrenzung des Hinterlandes, aber von selten Portugals ist bislang noch so gut wie nichts geschehen, um das Gebiet zu entwickeln; schon wenige Meilen von der Küste entfernt hört die Macht der Regierung aus und bei Konflikten mit den Eingeborenen haben die Portugiesen immer den kürzeren gezogen. ^
Die 37000 qkw große, auf der Lcmdscite überall von französischem Gebiet umschlossene Kolonie liegt zwischen dem Cap Roro im Norden und der Mündung des Cassini im Süden und erstreckt sich mich Osten hin bis zum 16.° östlicher Länge. Die Laterit-Küstenebene ist von unzähligen Flüssen und Meeresarmen durchzogeu, die eine Menge Inseln, den Bissagos-Archivel, bilden, der neben etwa 30 niedrigen, meist kleineren Inseln unzählige Riffe und Klippen aufweist. Diese Land-Einschnitte erinnern gewissermaßen an Fjords, die nach Ansicht einiger Forscher auch wirklich von den ehemaligen Gletschern des Futa Dschallon gebildet sein mögen, deren Endmoränen demnach die Bissagos-Jnseln wären. Das durchaus flache Land ist sehr ungesund, aber außerordentlich fruchtbar und reich bewaldet. Die Eingeborenen kultivieren Reis, Hirse und Erdnüsse, fast überall trifft man die Ölvalme, Kautschuklianen und Baumwollstnuden, vielfach anch den Kolabaum uud wertvolle Holzarten an. Die Bevölkerung der Kolonie, über deren Zahl die Angaben zwischen 67000 und 800000 schwanken, besteht aus einer Reihe von zum großen Teile überaus kriegerischen Stämmen, die schon im Äußeren wesentlich verschieden von einander sind und unter sich in steten Fehden leben, sodaß voll einer rationellen Erschließung des Landes keine Rede sein kann, die Regierung vielmehr fortwährend zu kostspieligen militärischen Expeditionen gezwungen ist. Von allen Stämmen wird eifrig Viehzucht, vou einigen auch Äckerbau betrieben. Überall verteilt finden sich die intelligentesten und brauchbarsten Eingeborenen, die mohmnedanischen Mandingo, geschickte Händler und Handwerker, besonders in Schmiede- uud Lederarbeiten.