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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
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Die Zahl der Europäer ist sehr gering, diejenige der ihnen sozial gleichstehenden Mischlinge aber nicht unbedeutend. Fremde Niederlassungen befinden sich an der Küste in Bisscw, Cncheo und Bolama, im Innern in Geba uud Farim. Hauptort und Sitz des Gouverneurs ist das etwa 4000 Einwohner zählende Bolama auf einer Insel an der Mündung des Rio grande, dessen Handel aber letzthin sehr zurückgegangen ist. Die Häfen von Cacheo uud Bolor sind zwar gut, aber nur kleineren Schiffen zu­gänglich.

Die Verwaltung Portugiesisch Guineas war nach der Kolonialgesetz­gebung von 1869 derjenigen der Kap Verdeschen Inseln unterstellt, die Kolonie bekam aber 1882 ihren eigenen Distrikts-Gouverneur und wnrde 1895 zum Range einer Provinz erhoben. Dem Gouverneur, eiuem aus Civilmitteln besoldeten Offizier, stehen ein Verwaltungsrat und ein Gemeinde­ausschuß zur Seite. Sitz der Civilverwaltung ist Bolama; Bisscw, Cacheo und Geba sind Militärstationen und außerhalb dieser Plätze erstreckt sich der Einfluß der Portugiesen nur aus einige wenige Punkte. Die Marine ist durch eiu größeres und drei kleine Kanonenboote und zwei Segelboote ver­treten, die Garnison umfaßt 500 Mann und diese Truppe ist absolut ungenügend, um den Schniuggel zu unterdrücken, die Ordnung ausrecht zu erhalten und einen nachhaltigen Eindruck auf die Eingeborenen auszuüben. Der Einfluß der wenigen Missionare, welche gegen Besoldung seitens der Regierung auch für Unterricht sorgen, ist ebenfalls nur sehr gering und die Be­amten zeigen meist kein Interesse an der Kolonie uud habeu nur das Bestreben, baldmöglichst wieder von hier wegzukommen.

Das Budget der Kolonie weist ein fortwährendes Defizit auf und stellte sich in

1894/5 1899/1900 1901/2 Einnahme 68000 56000 126000 Milreis.

Ausgaben 174000 216000 208000

Der Handel ist noch der reine Tauschhandel, bei welchem Baumwoll­stoffe, Spiritussen, Tabak, Waffen und Pulver gegen die Ausfuhrprodukte Kautschuk, Erdnüsse, Wachs, Elfenbein und Felle gegeben werden. Die europäischen Firmen unterhalten an den Hanvtvlätzen der Küste und im Innern, wie in Bissao, Cacheo, Bombadinka, S. Domingo und Farim Faktoreien, uud im ganzen Lande kleine Nnfkäufervosteu. Der Verkehr unter denselben wird außerordentlich erleichtert durch das ausgedehnte Wassernetz, das von einer Menge Schaluppen und kleiner Dampfer, sowie von zahl­losen Eingeborenen-Booten belebt ist. Freilich hat die ringsum von fran­zösischem Gebiet umschlossene Kolonie anch in handelspolitischer Beziehung einen schweren Stand, denn die französischen Nachbarkolonien verstehen es, durch geschickte Maßnahmen die Händler in ihre Gebiete herüberzuziehen.