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doch wußte man von der Ausdehnung dieses Rieseustromes uud seiueu mächtigen Zuflüssen nichts, hielt ihn vielmehr für eiueu Küstenstrom wie etwa den Gambia. Livingstone glaubte iu dem von ihm 1868 aufgefundenen Luapula zunächst den Oberlauf des Nil gesuuden zu haben, sprach aber doch bald die Vermutung ans, daß es der Quellsluß des Kongo sein möge nnd widmete sich nun für den Rest seines Lebeus vollständig der Erforschung der Grenzen des Kongo- und de^ Nil - Gebiets. Da man infolge der selten von ihm eintreffenden Nachrichten in Europa um ihu besorgt war, saudte 1871 Bennet Gordou, der Besitzer des „New Aork Herald", als Reklame für seine Zeitung den aus Wales stammeudeu, aber in Nordamerika erzogenen Journalisten Henry Morton Stanley aus, um Livingstoue aufzusuchen, den er auch iu Udjiji am Tcmganyika antraf. Cameron entdeckte 1873 zwar den Lnknga, den zeitweiligen Abfluß des Tauganyika zum Lualaba, vermochte dieseu aber uicht hiuabzufahreu, souderu durchquerte Mittelafrika uach Bihö uud Beuguela. Stanley aber brach 1874 im Auftrag des „New Dort Herald" uud des „Daily Telegraph" aufs Neue uach dem Seen- gebiet aus, setzte im November 1876 bei dem großeu arabischen Sklavenhändler Tippn Tipp die Erlangung von Booten durch, um deu Lualaba hiuabzufahreu uud traf nach großen Gefahren im Angust 1877 in Bomn am unteren Kongo ein. Diese epochemachende Fahrt bewies, daß der Lnalaba mit dem Kongo identisch sei, und 1879—80 befuhr Stauley deu Strom mich von der Mündnng ans.
Im Hinterlande von Angola waren die hervorragendsten Expeditionen diejenigen von Livingstone 1852—54, Cameron 1873—75, Pogge 1875 und 1881—82, Capello und Jvens 1877—79 und 1884—85, Serpa Pinto 1878— 79 nnd Wißmann 1881-82 und 1885.
Nach Gründung des Kougostaates wieseu sich sämtliche in Afrika interessierten europäischen Mächte ihre „Einflußsphären" zu, die man in Deutschland meist mit der Theorie des Hinterlands, in Engtand nach der Abschlußzeit der ersteu Verträge mit den Eiugeboreuen uud in Frankreich mit der effektiven Oceu- pation begründete. Seit der Aufteilung iu Kolonien und Interessensphären haben die meisteu Expeditioueu überwiegend politischen, weniger wissenschaftlichen Charakter getragen und diese Bemerkung gilt auch für das 1890 in Paris zusammengetretene Comite äs 1'^.triMe eentrals, welches die Verbiuduug der französischen Besitzungen am Mittelmeer mit dem französischen Kongo anstrebte.
Werfen wir nun znm Schluß eiueu Blick auf Handel und Verkehr. Herodot berichtet uus über den Handel der Mittelmeervölker mit Westafrika,, daß die Händler ihre Waren ans den Barken ans Ufer trugen, um sich dauu auf die Schiffe zurückzuziehen, während die Eingeborenen herankamen, die Waren besahen und den ihnen angemessen dünkenden Gegenwert in Goldstanb hinzulegten. Darauf nahten wieder die Verkäufer, welche das Gold mitnahmen und ihre Waren zurückließen, falls ihnen die Zahlung geuügeud schieu. Im Gegensatz zu diesem „stnmmen Handel" scheinen die Manren und Araber schon im