Altgemeines.
Wie in meinem jüngsten Buche „Ost- und Südafrika" gedenke ich auch im vorliegenden Werke: „Westafrika" dem Leser in gedrängter Form eine allgemeine Übersicht über die darin besprochenen Länder zu geben und dabei in möglichst objektiver Weise besonders die Geschichte der Kolonisation, die Einrichtung der Berwaltuugeu uud die wirtschaftliche« Verhältnisse zu berücksichtigen. Die eiuzelueu Gebiete siud dabei uach Maßgabe ihrer derzeitigen europäischen Besitzer zusammengestellt worden. Nun ist aber gerade in Westafrika die politische Einteilung vielfach so zerrissen und zuweileu so wenig natürlichen geographischen Grenzen entsprechend, daß es vor Betrachtung der einzelnen Kolonien angebracht erscheint, vorab einen kurzen zusammenfassenden Überblick über das hier iu Betracht kommende Gesamtgebiet zu geben.
Eintönig und wenig gegliedert wie die Ostküste des massigen dunklen Kontinents verläuft auch die Westküste desselben; bringt dort das vorspringende Osthorn des Somalilandes eine Unterbrechung iu das überaus gleichförmige Kiistenbild, so fiudeu wir im Westeu, wenig über dem Äquator uud etwa die Mitte der Küste einnehmend, deu rechtwinklig ties einschneidenden, aber kaum uoch als Meerbuseu zu bezeichnenden Golf vou Guiuea mit den beiden Buchten von Beniu uud Biafra westlich bezw. östlich der Nigermündung, daneben aber nnr sehr wenig andere Buchten und Baien und überhaupt keiue nennenswerten .valbinseln. Die weit südlich, erst uahe dem Weudekreis des Steinbocks liegenden Buchten der Walfischbai und von Angra pequena siud uur unbedeutend, die übrigen kaum nennenswerter. Starke Meeresströmungen nnd Brandungen bespülen die Küste uud besonders berüchtigt ist die, am stärksten im Busen von Benin auftretende „Xa-IemÄ", eine Dünungserscheinnng, bedingt durch das sehr allmähliche Untertauchen des Festlandes unter das Meer, wobei die Wellenzüge schon weit vom Strande entfernt gebrochen werden. Diese Folge von regellosen, oft sehr heftigen Brandnngswellen, welche gewöhnlich 2 bis 3 Meter hoch sind, aber mich bis zu 4 Meter Höhe anschwellen, gestaltet die Landung von Personen und Gütern sehr beschwerlich und nicht selten gefährlich. Da gute Häfeu mit
Schanz, Westafrikci. 1