Druckschrift 
West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

22

Arbeit, vor der er sich bislang ganz überwiegend scheut, heranziehen kann, ohne einen Druck auszuüben, der uur eiue ueue Art vou Sklaverei bedeuten >vürde. Die wirtschaftliche Erschließung fast ganz Afrikas seitens der Europäer hat ihre größte Schwierigkeit bislang in der noch uugelösten Arbeiterfrage gefunden; doch ist zu hoffen, daß die größere Sicherheit iu seinen Lebensbedingungen auch deu Neger allmählich zu regelmäßigerer Arbeit erziehen wird. Der durch Eingeborene des Landes selbst unter staatlicher Aufsicht betriebene Plantagenbau, das ist nach Dr. Ziutgraff's Urteil die Lösuug der kolonialwirtschaftlichen nnd zum großen Teile uud iu wahrhaft humaner Weife der zivilisatorischen Aufgabe der Europäer iu Westafrika. Der sichere und lohnende Absatz seiner Produkte wird deu Neger dazu geneigt machen.

Wenden wir uns nun der Entdeckungsgeschichte zu, so fiudeu wir, daß das Meer außerhalb der Sänlen des Herkules durch Nebelreichtnm nnd die durch den Saharastaub beschwerte, unsichtige Luft noch die Seefahrer später Zeiten schreckte; das Innere Afrikas aber wnrde seit Ausbreitung der mohamedanischen Macht bis iu die jüngste Zeit hinein durch eiue breite, äußerst schwer zu über­schreitende Scheidewand von der christlichen Welt getrennt und die Feindseligkeit der Mohamedaner, nicht die Wüsteunatur des Nordens, hat hier die Haupt­schwierigkeit für die Erforscher des Landes gebildet. Die erdkundliche Forschung in Afrika schloß vorzugsweise an die Frage nach Ursprung, Verlauf und Mündung seiuer Flüsse an. Wie der Nil von altcrsher das schwierigste Rätsel in der Afrikaforschung war, so haben auch die auderu großen Ströme zu deu ver­schiedenen Zeiten die wichtigste Rolle' in derselben gespielt. Den leichtesten Angriffspunkt aber bildeten natürlich die Küsten.

Phönikier hatten schon in der Zeit von 1100950 vor Chr. an der Westküste Marokkos vou Elmehassen bis zum Draa 300 Kolonien gegründet, welche später von den Eingebornen allerdings so gründlich zerstört wnrden, daß ihre Positionen nicht mehr auffindbar siud. Phönikische Schiffer, vom König Necho von Egypten beauftragt, umschifften vom Roten Meere ans um das Jahr 600 vor Chr. auch ganz Afrika, und von Karthago aus drang zwischen 405 und 450 der ältere Hauno mit einer Flotte bis über Sierra Leone hinaus, vermutlich bis Kamernn vor. Während die Griechen sich auf die Nordostecke Afrikas beschränkten, durchzogen r ömische Heerführer auf Karawanenpfaden die Sahara, doch blieben diese Züge ohne nennenswerte Folgen. Das Wissen der Alten wnrde das Erbe der Araber, deren große Geographen es ansehnlich erweiterten. An der Westküste drangen sie dauernd zwar nicht über das Kap Nnn vor, aber sie grüudeteu iu der großen Wüste, am mittleren Niger, im Sndan nnd am Tsadsee an Stelle der heidnischen Negerreiche bald eine Reihe Staaten von echt mohamedanischem Charakter. Den christlichen Kirchenlehrern und Gelehrten des frühen Mittelalters aber galt Innerafrika als Wüstenei voller Untiere und menschlicher Mißgestalten. Sehr viel trugen im 13. und 14. Jahrhundert zur