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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
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während die handeltreibenden nnd missionseifrigen Maudiugo den Jolam znr Küste trugen. Mekkapilger durchziehen von der Westküste ans ans ihrem Zuge nach der heiligen Statte des Ostens den gauzeu Kontiueut. So herrscht der Islam heute im ganzen Norden nnd streckenweise im Sndan, Zentralasrika da­gegen ist noch ganz im Heidentum versunken. Die christliche Mission, die evan­gelische, wie die katholische, hat schon seit geraumer Zeit auch in Westafrika ein­gesetzt und arbeitet gegeuwärtig, vielfach mit farbigeu Missionaren, an den ver­schiedensten Punkten der Küste und des Innern, bislang freilich mit recht wenig Erfolg.

Werfen wir nuu eiueu Blick auf die politische» Verhältnisse West­afrikas, so finden wir, daß uuser Wissen darüber ein recht lückenhaftes ist, denn nur der Nordrand des dnnklen Kontinents istvom Hauche der Geschichte umweht". Egyptische Verbmduugcu mit dem westlichen Sndan sind schon für das Altertum als wahrscheinlich uachgcwieseu. Als im 7. Jahrhundert die Araber gauz Nordafrika, wo Byzanz die Herrschaft Roms abgelöst hatte, überfluteten, drangen sie staaten­bildend auch uach Süden bis über die Sahara hinaus vor. Diese arabische Herrschaft wurde aber im größten Teile Nordafrikas zu Anfang des l 6. Jahrhunderts von den Türken vernichtet. An den Ufern des Kongo fanden die Portugiesen ein großes Königreich, das ebenso schnell zur Blüte gelaugte, als es dauu wieder verfiel. Südlich vom mittleren Niger errichteten die Mandingo im 13. Jahr­hundert das große Reich Melli, das im 15. Jahrhundert unter die Herrschaft der Sourhay kam, die sich bis zum Tsadsee erstreckte, aber schou hundert Jahre später durch die Herrscher vou Marokko zerstört wurde. Aber auch deren Herr­schaft dauerte uicht allzulange und an Stelle dieser alten Staaten traten die Fulbc- Reiche Massina mit der Hauptstadt Dschenne, einem wichtigen Handelspunkt am Baut, einem Nebenfluß des Niger, uud das westlich davou gelegene Segu, während sich südlich davou iu der zweiteu Hälfte des 19. Jahrhuuderts die zeitweilig bedeuteuden Reiche Tiebas uud Samo r y s bildeten. Anfangs des 19. Jahrhunderts ? brachen die Fulbe vom Senegal her als Eroberer im Sndan ein und gründeten hier eine Anzahl mächtiger Reiche, von denen einige noch heute bestehen. Das vom Norden her eingedrnngene Hirtenvolk der Fulbe war schon im 13. Jahr­hundert iu Sourhay, anfangs des 17. Jahrhunderts iu Bagirmi vertreteu, aber nicht iu herrschender Eigenschaft; fein machtvolles Auftreten begauu vielmehr erst Aufang des 19. Jahrhunderts, als der fanatische Mallem ld. h.Gelehrter") Othman Dau Fodio aus Futa Toro am Senegal eine bald sehr erfolgreiche Bewegung gegen die maurischen Haussastaaten begann, die den Fulbe schließlich die Oberhand in einem großen Teile des Sudan verschaffte. Das wichtigste der Fulbe-Reiche ist das östlich vom Mittellauf des Niger gelegene Sokoto, ein dicht bevölkertes Land mit zahlreichen Städten von 1030000 Einwohnern, dessen erst 1810 erbaute frühere Hauptstadt Sokoto die heilige Stadt der Fulbe und Sitz ihrer Gelehrsamkeit ist; die heutige Hauptstadt ist seit dein ersten Drittel