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verarbeitet wird, und Färberei sind auf einzelne Gegenden beschränkt; berühmt ist Kano im Sudan durch seine Weberei, Färberei uud schöueu Lederwaren, ebenso geschätzt sind die Gewebe uud Goldschmiedearbeiten der Aschanti. Charakteristisch für die Guiuea-Küste sind auch die Elfenbein- uud Bronee-Altertümer von Benin und die Aggri-Perlen. Die ersteren, für die Wissenschaft eine Errungenschaft allerneuster Zeit, mögen einer Epoche angehören, die um etwa 400 Jahre zurückliegt, und zwar weisen die Bronce-Platten, Figureu, Glockeu u. s. w. Nachbildungen von Negern, Europäern und Tieren in afrikauischem Stile auf, die geschuitzteu Elfenbeinzähne häufiger Gegeustäude reiu mythologischer Art. Die Aggri-Perlen aus Glas uud Stein, schon zu Aufang des 17. Jahrhunderts von dem deutschen Reisenden Samuel Brauu als au der Westküste Afrikas vorkommend erwähnt, werden iu der Erde gefunden, gelten allgemein als Zauber- mittet uud Medizin und werden im Handel ein bis zweimal mit Gold auf- gewogeu. Diese vielumstrittenen, ähnlich in der ganzen Welt gefundenen Perlen verschiedenartigster Form, Farbe und Musterung sind wahrscheinlich venezianischen Ursprungs. Das Küstengebiet von Oberguiuea ist überhaupt iu gewisser Weise ciu klassischer Bodeu der erst so spät bethätigten Altertumskunde von Afrika, und man fand hier seit Anfang des 19. Jahrhunderts Steinartefacte, die vom Senegal bis zur Nigermündung stammend, heute iu europäischen Museen in großer Zahl zu fiudeu siud. Sie kommen aus dem Erdboden in der Regel nach heftigen Regengüssen zum Vorschein, nnd da der Regen gewöhnlich von Blitz und Douuer begleitet ist, so werden sie von den Eingeborenen als „Donnerkeile" oder „Gottesäxte" bezeichnet. Abgeschabte Teilchen derselben werden von den Negern als Medizin genossen. Über die Zeit ihres Gebrauchs oder über ihre Verfertiger ist nicht das mindeste bekannt.
Was die Religion anbetrifft, so herrscht, wo nicht der Islam und an einigen Punkten das Christeutum Eingang gefunden, fast überall roher Fetischdienst, dessen Gegeustäude böse uud gute Geister siud, die uuter der Gestalt von Tieren und Götzenbildern aller Art verehrt werden uud deueu mau Opfer, selbst Menschenopfer bringt. Die Priester sind zugleich Ärzte, Wahrsager uud Zauberer, bei deu Hotteutotteu, wie bei den Kafferu, wenigstens Regenmacher. Jede Krankheit, jeder Todesfall wird der Hexerei übelwollender Feinde zugeschrieben, und Gottesurteile müssen über Schuld oder Uuschuld des Angeklagte« entscheiden. Diesem wilden nnd gransamen Heidentum gegenüber, welches besonders in Aschanti, Dahome uud Beuiu Menschenopfer zn vielen Hunderten forderte, bewirkt der Islam einen mächtigen Fortschritt in der Gesittuug und Bildung der Neger. Bereits im 11. Jahrhundert war der Islam in Bornu eingedrungen, breitete sich dcmn am Niger und Senegal aus uud seitdem eutstaudeu, hauptsächlich durch die Maudingo, die großeu nördlichen Reiche Ghanata, Melli und Sonrhay oder Songhoi. Im 17. nnd 18. Jahrhundert hatten mehr die Haussa- Völker die Führung übernommen, aber anch diese Sndanneger wurden im 19. Jahrhundert immer mehr durch die erobernd vordringenden Fulbe beeinflußt,
Schanz, Westasrika- Z