'Afrika herrschen von der West-Küste bis zum Nil die von Lepsins so benannten Mischnegersprachen.
Der Charakter der einzelnen Völker ist ein außerordentlich verschiedener, wenn sich auch überall gemeinsame Gruudzüge erkeuueu lassen, die auch iu der äußeren Erscheinung, wenngleich mit vielfachen Veränderungen hervortreten, so in der Tätowierung, dem Ausbrechen oder Spitzfeilen der Zähne, der Beschneidnng, dem Verzieren der Lippen und Ohreu, der kindlichen Freude am Putz durch Glasperleu, Arm- uud Beiuriuge, im Haupthaarputz u. s. w. Bemerkenswert ist das vielen Afrikanern eigene juristische uud politische Geschick.
Was die Familienverhältnisse anbelangt, so herrscht fast in ganz Afrika Polygamie; meist zeugt die Auzahl der Frauen für den Reichtum des Maunes, denn die Frau wird gekauft uud ist im allgemeinen Sklavin und Lasttier des Mauues. Uuter vielen Völkern gilt als Erbfolgegesetz, daß nach dem Tode eines Häuptlings uicht seiu Sohu nachfolgt, sondern der Bruder oder der Schwestersohn des Verstorbenen. Die Sklaverei ist in Afrika eine uralte Institution nud zwar siud die meisten Sklaven Kriegsgefangene oder gestohlene, selten wegen Verbrechen verkaufte Leute. Sklavenhandel über See ist durch die Wachsamkeit europäischer Kriegsschiffe an der Westküste heute wohl gauz unmöglich gemacht, dagegen dauert er im Innern noch ungeschwächt fort. Diese große Unsicherheit iu der Existenz der Neger hat bei ihnen zur Blutsbrüderschnft geführt, welche fast uoch eugere Baude zieht, als die Familie.
Was das Gewerbe anbetrifft, so gehören zu den Jagdvölkern die Buschmäuuer und viele Stämme des zentralen Kerns; zu den nomadischen Hirtenvölkern die Tuaregs der Wüste, die Herero, die Namaqua und der größte Teil der Fulbe; die Halbnomaden, wie die Schua (Araber) im Sudan, ziehen iu der trockenen Zeit mit ihren Herden umher, uud bebauen zur Regenzeit das Feld. Eiu großer Teil der Bevölkerung aber lebt vom Ackerbau, der vielfach nur von den Frauen betrieben nnd oft mit Viehzucht, bei eiuigeu Völkern uur mit der Zucht von Hühueru uud Huudeu verbunden wird. Der Feldban wird meist in der einfachsten Form, mit der Hacke, betrieben. Verschiedene Hirsearten, Durra, Dochu, Mais, Mauioc und Aams sind mit der Erdnuß die wichtigsten uud verbreitetsteu Nährpflanzen des tropischen Afrika. Viele Neger habeu sich ganz dem Zwischenhandel zugewaudt, den sie zwischen den Europäern an der Küste und den Bewohnern des Innern vermitteln uud vielerorts ganz monopolisierten. Der Hausbau ist nur im Sudan höher entwickelt, gemeinhin bestehen die Wohnstätten aus Stroh- uud Lehmhütten. Von Industriezweigen finden wir fast überall die Töpferei; nicht so allgemein verbreitet ist die Kunst, Häute zu gerben und zu verarbeiten, wohl aber die, Matten zu flechten. Die Kordofaner wie die Batoka, der Ovambo uud die Bewohner des Sudan wissen aus Erzeu auf die einfachste Weise Eisen und Stahl zu gewiuuen uud zu verarbeiten, die Ovambo n. a. auch das Kupfer, die Bewohner der Goldküste das Gold. Weberei, wobei die eiuheimische Baumwolle