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Timreg im Westen und der stark mit Negerblnt gemischten Tibbu im östlichen Teile der Sahara, und durch die nnnmehr ansgestorbenen Manchen auf den Kanarischen Inseln. Über diese Berber hat sich erobernd dnrch ganz Nordafrita, diesem sein Gepräge, seine Religion und Sprache aufdrückend, der semitische Stamm der Araber ergossen.
Die Vertreter der kolonisierenden Jndogermanen sitzen in kleiner Zahl an allen bedeutenden Küstenpunkten.
Scharfe natürliche Grenzen, welche die Wanderung der Völker vou eiuer Region des Erdteils zu einer anderen absolut zu verhindern imstaude wären, finden wir im Innern Afrikas nicht. Selbst die Wüsten üben eine sondernde Wirkung uur iu beschränktem Maße ans, wenn sie anch einzelne Bölkergrnppen jahrhundertelang trennten; trotz der Sahara sind die Neger ein bedeutendes Mischungselement der Bevölkerung von ganz Nordafrika. Da alle Völker Afrikas, mit Ausnahme der Egypter, Natur- oder Halbkultur-Bölker sind, unstet iu jeder Beziehung, so waren sie der Vermischung, Vernichtung oder umgestaltenden Ernenernng im höchsten Maße ausgesetzt, und die starke Zersplitterung der Völkerstämme nnd ihre gegenseitige Abgeschlossenheit erleichtert natürlich die Beherrschung durch die Europäer. Alle Staateubilduugeu südlich von der Eiuflußliuie der Mohamedaner entbehrten, wie Ratzel ausführt, der Kraft und Dauerhaftigkeit uud waren großen uud schnellen Veränderungen betreffs Volkszahl, Wohlstand uud der Möglichkeit eiues besonderen staatlichen Daseins unterworfen. Die afrikanische Völkergeschichte erzählt vou vielen Stämmen, die vollständig zersplittert und ausgerottet wurden uud vou audereu, die sich iu Zeit eiues Menschenalters aus dem Uubekauutsein zur Großmachtstellung erhoben.
Schon Karl Ritter wies darauf hin, daß die niedrige Stufe der Neger — das Wort „Nigger" ist iu Westafrika übrigens nur für Sklaven erlaubt und gilt sonst als Schimpfwort, das der Gerichtshof mit Strafe belegt — in der geringen Gliederung Afrikas begründet sei; kein Volk steht in bezng auf nantische Leistungen im allgemeinen so tief, wie dasjenige Afrikas. Erst nnter fremder Anleitung sind einige Negerstämme, wie besonders die Krn, tüchtige Matrosen geworden. Deu Gipfel ihrer Schiffsbaukunst bilden sonst ausgehöhlte, oft riesige Baumstämme. Der Nord- uud der Nordost-Rand standen dnrch die Annäherung an Europa und Asien dem günstigen Einfluß fremder Civilisation offen. Aber jcweiter wir uus davon entfernen, desto mehr verdunkeln sich die Gesittnngs- znstände Afrikas uud so gilt im allgemeinen, wenn auch uicht streng als Regel, daß die Gesittung in der Richtung vou Nord nach Süd und vou Ost uach West abnimmt.
Die Sprachen der afrikanischen Völker sind von größerer fuudameutaler Verschiedenheit, als man nach der körperlichen Ähnlichkeit der Afrikaner erwarten sollte. Die Hottentotten- nnd Bnschmann-Sprachen mit ihren Schnalzlautcu siud nnr entfernt verwmidt; noch weiter von ihnen verschieden sind die Bantnsprachen, nach der Ansicht vieler die ursprüngliche Afrikanersprache. Im nordäquatorialcn