Druckschrift 
West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

13

Minder charakteristisch ist die Vogelwelt, unter deren auffallendsten Vertretern genannt seien die Pisangfresser, die Mäusevögel, Webervögel und Perl^ Hühner, der Secretair, bestimmte Papagaien, wie der graue, und der afrikanische Strauß.

Unter den Reptilien sind eine Reihe von Schlangen und das Chamäleon charakteristisch, uuter den Fischen die Zitterwelse uud der afrikanische Schlamm­fisch, der die trockene Zeit in einer Schlammkapsel durchschläft.

Unter deu Jusekteu spielen Termiten und Wespeu eine Hauptrolle und als lästige Plage erscheint neben der Tsetsefliege auch der neuerdings von Süd­amerika nach Afrika verschleppte Scmdsloh.

Aus der afrikanischen Wurmfauna ist uuaugeuehm bekauut der berüchtigte Guiuea- oder Mediua-Wurm, der besonders häufig an der Goldküste vorkommt und im Uuterhautbiudegewebe der Menschen schmarotzt.

Anßer Esel und Hund siud sämtliche afrikanischen Haustiere als ein­geführt zu betrachten nnd zwar teilweise erst in später Zeit, so das Kamel aus Iunerasien, das Pserd aus Arabien, Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Hühner aus Asieu uud Europa. Solauge das Kamel noch nicht eingeführt war, war ; die Verbindung zwischen dem Nordrand des Kontinents und dem Lande der Neger natürlich überaus beschwerlich, ja beinahe unmöglich. Durch das Rind wird die Steppe bewohnbar, ja sie wird eine Wiege kraftvoller Völker, deren Eingreifen in die Geschicke ihrer ackerbauenden Nachbarn so viele Seiten in der Geschichte Afrikas füllt. Unbekannt ist das Rind, abgesehen von sonstigen kleinen Lücken seiner Verbreitung, im größten Teile des Kongobeckcns, also in der Urwaldzone vou Mittelafrika. Eiue unsichtbare Schranke findet die Verbreitnng des Schweins in mohamedanischen Gegenden.

Von nutzbaren Mineralien ist vor Allem das afrikanische Kultnrmetall, das fast überall vertretene Eisen zu nennen, auch Kupfer findet sich an vielen Stellen, dauebeu im Hinterlande von Sencgambien uud an der Goldküste G old, dagegen sind Kohlen an der Westküste bislang erst an wenigen Stellen gefunden worden. Besonders wichtig ist das Salz, welches dem Neger zu seiner über­wiegenden Pflanzenkost unerläßlich ist und dessen Fundstellen oft heiß umstritten wordeu sind.

Was die Bevölkerung anbelangt, so ist dieselbe im allgemeinen eine wenig dichte, durch viele innere Kriege, Sklavenjagden, Opferschlachtnngen und Kannibalismus reduziert nnd ihre Zahl vielfach noch sehr unsicher eingeschätzt. Relativ dicht ist sie an den Meeresküsten, Flußufern uud dem Rande des Urwald­gebiets, dagegen ist die Wüste außerhalb der Oasen so gut wie unbewohnt; auch in einem großen Teile der Halbwüsten und Steppen ist ein dauernder Aufenthalt den Menschen nnr an wenigen besonders begünstigten Plätzen möglich. Die großen Wälder des Innern weisen nur wettig feste Bewohner auf und selbst die