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West-Afrika / von Moritz Schanz
Entstehung
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Die Flora Afrikas zeichnet sich im allgemeinen durch einen altertümlichen Charakter aus. Das nordwestliche Afrika mit den Azoren, Madeira und Kanaren ist noch der Sitz einer ausgeprägt atlantischen Flora mit immergrünen Erikaceen- stränchern: einzelne Bestandteile der Vegetation aber, wie Tamarisken, fleischige Enphorbien und die I>Iwirix ^vbae Dattelpalme, erweisen deutlich deu Zusammen­hang mit der Flora Afrikas. Neben ausgedehnten, gcmz vegetationslosen Strecken in der Sahara entwickelt sich in den ausgetrockneten Flußbetten (V^äis) und Oaseu eine durch die Mannigfaltigkeit ihrer Znsammensetzung oft überraschende Pslanzendecke. Der Hauptcharakterbaum der Oaseu ist die Dattelpalme ?biwix DaetMiki-g., deren Südgrenze ungefähr mit derjenigen der Sahara zusammenfällt. In der westlichen Sahara fehlt es uicht au Steppen, die während eines Teils des Jahres mit frischem Grün bedeckt sind und auch iu den ödesten Teilen der Wüste genügt die Auwefeuheit der geringsten Spur vou Feuchtigkeit, um eiue oder die andere der zähen Wüstenpflanzen emporsprossen zu lassen, mit denen das genügsame Kamel seiueu Huuger stillt.

Das afrikanische Tropengebiet zeichnet sich im allgemeinen durch geringere Niederschläge und besonders hohe Temperaturen vor den entsprechenden Teilen Asiens uud Amerikas aus und erscheint deshalb in seiner Vegetation weniger bunt nnd mannigfaltig. Wälder von echtem Tropcncharakter treten vorzugs­weise in dem zentralen Seengebiet, sowie in Guinea und im nördlichen Kongo­gebiet ans, ohne jedoch die Pracht und Großartigkeit wie in den südamerikanischen Ländern zu erreichen; selbst der afrikanische Urwald ist eintönig und leblos. Für deu Waldgürtel der Guiueaküste entlaug, der am breitesten hinter der Elfen­beinküste ist, sind anßer Farrenbäumen besonders die zahlreichen Ölpalmen (Ll^eiL ^uinsenkis) charakteristisch, deren Verbreitungsgebiet östlich bis zur Wasserscheide ^des Nil und des Kongo, südlich bis Angola reicht; auch Kantschnk liefernde ! Lianen und Bäume find vielfach vertreten, unter letztereu weit verbreitet die wichtigste, XieKxia, slastiea, sowie verschiedene Färb- und Luxushölzer. Nebeu der Olpalme finden wir am gleichen Küstenstrich die Kokospalme, die Weinpalme R^plna. vimt'era,, die Dnm-Palme H^olmsna. »uineknsis uud kletternde Rotang- Palmen. Die Fülle tropischer Lianen uud Epiphyten entfaltet sich am reichsten in den Urwäldern des feuchten Westens in der Nähe des Äqnators, und die fieberschwaugeren Küsteu werden, wie überall in den Tropen, von Mangrove- wäldern besäumt. Eigenartig hebt sich von dieser tropischen afrikanischen Pflanzen­welt diejenige der Gebirgsregion in den Kamernnbergen ab.

Eharakteristisch für den Sudan uud das südliche Kougogebiet sind mit ein­zelnen Bänmen durchsetzte Savaunen, deren Gräser sehr artenreich, meist hart nnd vielfach von einer Höhe sind, daß das dichte Stengelgewirr den Reiter ü herragt. Infolge des trockenen Klimas sind auf deu Savcmueu des tropischen Afrika besonders Mimosen uud Akazieu häufig, dauebeu Tamarinden, Sykomoren, mächtige Banyanen (^ien8), der Baobab und andere Bombaceen, wie der den Kapok liefernde Wollbcmm (l^eid^ bnonopo^use, Lriciäenäran cinkraetuosum);