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West-Afrika / von Moritz Schanz
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neuester Zeit wieder zu Ehren bringt. Die Sklaven- oder Benin-Küste endlich reicht bis zur Mündnng des Benin. Diese gesamte Küstenstrecke ist fast durchweg flach und vielfach von seichten, langgestreckten Lagunen besäumt, welche nur durch schmale und niedrige Landzungen vom Meere getrennt sind; gewöhnlich erst 50 bis 60 Km landeinwärts trifft man auf Laudschwelleu vou meist geriuger Erhebung, uud uur an wenig Stellen, besonders in dem mächtigen Ge- birgsstock des Kamerun gerade iu der Ecke des Golfs vou Guiuea, treteu hohe Berge nahe an die Küste. Nieder-Guinea zersällt in die Landschaften Loango, Kongo, Ambriz, Angola und Beuguela; die Küstenebene auf dieser Strecke, sowie iu dem folgeudeu Deutsch-Südwestasrika wird vou Nord uach Süd zu schmäler, sandiger und dürrer uud au Stelle üppiger Vegetation treffen wir vom Kap Frio bis über die Mündung des Orange hinaus eineu wüsteu uud vegetatiousarmeu Küsteustrich.

Dringen wir von der Küste nach dem Innern vor, so stosicn wir da- selbst auf eiu fast ausschließliches Vorherrscheu des Hochlandes und fast gänz­lichem Mangel an Tiefländern; ist doch die Durchschnittshöhe des gauzeu afri­kanischen Kontinents auf die hohe Zahl von 600 m gegen 300 m in Europa berechnet worden. Beginnen wir mit unserer Betrachtung im Süden, so finden wir hier das durchschnittlich 1200 m hohe Tafelland des südafrikanischen Dreiecks, welches im allgemeinen zwar eine allmähliche Abdachung von Ost nach West anfweist, in seinem westlichen Steilrand nahe der Atlantischen Küste zwischen Orange und Knnene aber höher als die inneren Plateans aufsteigt, und so zur Bildung des abflußlosen Beckens des Ngami-Secs beiträgt, welcher 800 m ü. M. liegt. Weiter uach Norden zu treffen wir, nach der Einsenkung des Kongo­beckens, ans eine 600 m hohe Wasserscheide zwischen Schari und Nil, während das abflußlose Tsadsee-Beckeu uur noch 240 m, die Sahara durchschnittlich etwa 500 m über dem Meere liegt; eine Linie von Loanda qner durch den .Kontinent nach Kassala am Nordwestabfall des abessinischen Hochlands gezogen scheidet streng den hohen Teil Afrikas im Südosten von dem niedrigeren im Nordwesten. Abgesehen vom Atlasgebirge, welches noch einen europäischen Cha­rakter trägt, erhebt sich das hier in Betracht kommende Land an fünf Stellen zu bedeuteuderen Höhen, nämlich in den Bergen von Darfur und Tibesti bis zu 2700 m, im Hochlaud vou Adamaua bis zu 3000 m (Gendere-Berge), in den Saranda-Bergen bei Jacuba bis zu 2100 m uud endlich bis über 4000 m in dem Kamerun-Gebirge, dem Mittelpunkt der vulkanischen Zoue Westafrikas, die sich vou hier einerseits nach den Gninea-Jnseln, und nach dem Innern zu bis zum Thale des Beuue erstreckt.

Südlich vom Atlasgebirge folgt zunächst die ausgedehnte Plateanstnfe der Sahara, das größte Wüstcngebict der Erde, welches das tropische Afrika vom Kulturbercich der alten Welt trennt, ein Gebiet, fast so groß wie ganz Europa, durchzogen vou isolierten Bergzügcn uud gewaltigen Höhenmassiven und iu seiner Erscheinung mannigfaltiger und abwechslungsreicher, als der Laie anzunehmen

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