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Der Feldzug gegen die Hereros.
und die hier zutage getretenen Mängel und Lücken auszufüllen. Der Unterschied zwischen der kriegerischen Brauchbarkeit der alten und neuen Schutztruppensoldaten war in den bisherigen Gefechten deutlich hervorgetreten. Auch die Hereros sollen diesen Unterschied erkannt haben. Wenigstens wird einem ihrer Großleute die Äußerung zugeschrieben: „Die alten deutschen Soldaten fürchten wir, die nenen aber nicht, die kommen direkt von der Mutter." Den Infanteristen fehlten Kenntnisse im Reiten und in der Pferdepflege, während bei den Kavalleristen die Ausbildung im Schießen und Gefechtsdienst nicht den Anforderungen entsprach. Das Fechten im Busch mußte für alle Neueingetroffenen zum Gegenstand gründlichster Übung gemacht werden; auch die Artillerie hatte zu lernen, sich mit den besonderen Schwierigkeiten eines Kampfes im Busch abzufinden. Die Selbständigkeit des einzelnen Mannes mußte bei der Schwierigkeit der Gefechts- und Feuerleitnng im Busch mit allen Mitteln gehoben, auch die Schwierigkeit des Mnnitionsersatzes und der Wert, der deshalb jeder einzelnen Patrone zukommt, mit eiserner Strenge erneut zum Bewußtsein gebracht werden. Die Entsen- Der unerwartet zähe Widerstand der Hereros in den letzten Gefechten dung weiterer gelehrt, daß die bisher entsandten Verstärkungen zu einer schnellen und ^w^rd"be^" erfolgreichen Niederwerfung des Aufstcmdes nicht ausreichen würden; auch mußte schloffen, für die durch das Ausscheiden der Ostabteilung fehlenden Kräfte Ersatz geschaffen werden. Es wurde deshalb beschlossen, weitere 500 berittene uno 500 unberittene Mannschaften, eine Feldbatterie und vier Geschütze 0.96 als Ersatz für die 5,7 om Geschütze für deu Norden und, zur Sicherheit der weißen Bevölkerung und für unvorhergesehene Fälle, 150 Berittene und eine Batterie d 96 für den Süden zu entsenden. Eine schon früher beantragte Maschinengewehrabteilung, drei Funkentelegraphenstationen sowie eine Verstärkung der Eisenbahntruppen wurden noch am 30. April von Hamburg aus abgesandt.
1,5. Der Wiederbeginn der Operationen. — Übernahme des Ober- konnnandss durch Generalleutnant v. Trotha.
Die Hereros Hatte schon die Notwendigkeit, die bisherige Ostabteilnng in Quarantäne zu verlassen die Ausführung der neuerdings geplanten konzentrischen Operation gegen Katjapia")
^Katjapia"" Frage gestellt, so trat Ende April völlig unerwartet ein Ereignis ein, das alle Ende April, bisherigen Pläne und Absichten über den Hausen warf und eine ganz neue Lage schuf: die Hereros begannen ihre bisher so hartnäckig behaupteten Stellungen um Katjapia zu räumen und mit ihren Hauptkräften in der Richtung auf Otjiamongombe (am Wege Okahandfa—Omnsema) zurückzugehen. Bestimmt hatte sie anscheinend hierzu ciumal der Maugel an ausreichender Weide für ihr zahlreiches zusammengestohlenes Vieh und an Wasser für die auf eugem Raume zusammengedrängte Menschenmasse.
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